Zitterpartie in den USA: „Das war so ganz und gar nicht das Wunsch-Szenario der Börsen“

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Zitterpartie in den USA „Das war so ganz und gar nicht das Wunsch-Szenario der Börsen“

Das knappe Rennen bei der US-Präsidentschaftswahl hält die Anleger in Atem. Ein Überblick.

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Wenige Stunden nach Schließung der US-Wahllokale wird der Dax Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge am Mittwoch niedriger starten. Am Dienstag hatte er in der Hoffnung auf einen Sieg von Joe Biden beim Rennen um das Weiße Haus 2,6 Prozent auf 12.088,98 Punkte zugelegt. Die Wahl wird zur Zitterpartie. Amtsinhaber Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden lieferten sich auch Stunden nach Schließung vieler Wahllokale in der Nacht zum Mittwoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Allerdings sind viele Stimmen noch nicht ausgezählt. Einige Experten befürchten, dass es Tage dauern wird, bis der Sieger der US-Präsidentschaftswahl feststeht.

„Jetzt ist genau das passiert, was im Vorfeld der Wahl so ganz und gar nicht das Wunsch-Szenario der Börsen war“, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Brokerhaus CMC Markets. Die US-Wahl drängt alle anderen Themen in den Hintergrund.

So stehen unter anderem die Beschäftigtendaten der privaten US-Arbeitsagentur ADP auf dem Terminplan. Sie geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag. Analysten sagen eine Verlangsamung des Stellenaufbaus voraus. Außerdem werden die Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager in den USA und Deutschland veröffentlicht. Parallel dazu öffnen erneut zahlreiche Firmen wie der Autobauer BMW und der Netzwerk-Ausrüster Oracle ihre Bücher.

Das knappe Rennen bei der US-Präsidentschaftswahl hat zuvor die Anleger an den Börsen in Asien in Atem gehalten. In Tokio legte der Nikkei in einem nervösen Handelsverlauf am Mittwoch zwar rund zwei Prozent zu. Der japanische Leitindex profitierte dabei aber vor allem von positiven Vorgaben aus den USA und Europa, wo Anleger auf einen Machtwechsel im Weißen Haus gesetzt und sich mit Aktien eingedeckt hatten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,8 Prozent.

Den Dollar treibt die Hängepartie derweil in die Höhe. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg am Mittwoch um bis zu 0,8 Prozent auf 94,30 Punkte. Euro und Pfund gaben dagegen zeitweise kräftig nach.

Droht eine Hängepartie?

Weltweit ist die Anspannung groß. Es gibt die Sorge, dass die Wahlnacht in den USA kein klares Ergebnis bringt und vielleicht sogar ein Gericht über den Wahlausgang entscheiden muss.

In einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche warnte der US-Ökonom Nouriel Roubini bereits vor der Wahl vor den Folgen einer Hängepartie: „Dieses Maß an politischer Instabilität könnte erhöhte Risikoscheu an den Finanzmärkten auslösen – und das zu einer Zeit, wo die Volkswirtschaft ohnehin lahmt. Falls sich der Disput über das Wahlergebnis womöglich bis Anfang kommenden Jahres hinzieht, könnten die Aktienkurse um bis zu zehn Prozent fallen.“ Und auch andere Assetklassen würden in Mitleidenschaft gezogen: „Die (schon jetzt sehr niedrigen) Renditen auf Staatsanleihen würden sinken, die globale Flucht in sichere Häfen dürfte den Goldpreis in die Höhe treiben. Normalerweise würde der Dollar bei einem derartigen Szenario anziehen. Doch weil diese Situation durch das politische Chaos in den USA selbst ausgelöst wäre, könnte es sogar zu einer Kapitalflucht aus dem Dollar kommen.“

Mehr zum Thema: Den aktuellen Überblick über die Ereignisse rund um die US-Wahl 2020 finden Sie hier.

Mit Material von dpa und Reuters.

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