Wirtschaftsliteratur: 20 Lesetipps von deutschen Ökonomen

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Wirtschaftsliteratur 20 Lesetipps von deutschen Ökonomen

Am Mittwoch beginnt – weitgehend virtuell – die 72. Frankfurter Buchmesse. Aus diesem Anlass hat die WirtschaftsWoche führende deutsche Ökonomen um einen ganz persönlichen Buchtipp gebeten.

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Justus Haucap, Professor für VWL an der Universität Düsseldorf und Gründungsdirektor des Instituts für Wettbewerbsökonomie, empfiehlt „Economics for the Common Good“ von Jean Tirole (Princeton University Press, 2017): „Wer sich für Ökonomie interessiert, findet hier einen schönen und modernen Einstieg. Das Buch zeigt die große Vielfalt der Volkswirtschaftslehre – und räumt mit dem Vorurteil auf, die VWL würde immer noch in alten Denkmustern der Fünfzigerjahre verharren und dem Homo Oeconomicus huldigen.“

Stefan Kooths, Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft, empfiehlt „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung: Eine Zeitreise durch 5 Kontinente“ von Rainer Zitelmann (Finanzbuch Verlag, 2018): „Das große Problem des Kapitalismus ist sein Erfolg, den die Menschen allzu leicht für selbstverständlich halten. Umso stärker grassiert die neue Lust am Sozialismus, dessen desaströse Folgen – ökonomisch wie moralisch – mehr und mehr in Vergessenheit geraten.

Rainer Zitelmann macht sich die Mühe, die relevanten Alternativen gegenüberzustellen, und hat dazu viel nützliches Material aus aller Welt zusammengetragen. Sachlich, aber nicht trocken, engagiert, aber ohne missionarischen Eifer. Ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit.“

Nicola Fuchs-Schündeln, Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik und Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Universität Frankfurt, empfiehlt  „What works: Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann“ von Iris Bohnet (Verlag C.H.Beck, 2017): „Gleichstellung ist ein Ziel, das wir uns nicht nur als Gesellschaft setzen, sondern das sich viele Unternehmen und Institutionen auf die Fahne geschrieben haben. Warum ist es dennoch so schwierig, Gleichstellung zu erreichen?

In ihrem Buch stellt die Ökonomin Iris Bohnet dar, wie unbewusste Diskriminierung Gleichstellung verhindert. Stereotypen prägen unser Denken und beeinflussen unser Handeln, ob wir es wollen oder nicht. Gleichzeitig zeigt sie ganz praktisch auf, was dagegen getan werden kann. Wichtig ist dabei das clevere Design von Prozessen, sodass Vorurteilen möglichst wenig Raum gegeben wird. Ich mag an dem Buch, dass es die aktuelle Forschung in den Wirtschaftswissenschaften aufgreift und daraus konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt.“

Thomas Mayer, Leiter der Denkfabrik der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch in Köln, empfiehlt „The Forgotten Man: A New History of the Great Depression“ von Amity Shlaes (HarperCollins, 2008):  Shlaes beschreibt, wie in den USA die Roosevelt-Regierung die vorher marktwirtschaftlich organisierte US-Wirtschaft durch den New Deal zu einer Staatswirtschaft umgebaut hat. Dadurch verschlimmerte sich die Depression. Es hat ein halbes Jahrhundert gedauert, bis durch die „Reaganomics“ der Staat wieder in die Schranken gewiesen wurde.“

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, empfiehlt „Why liberalism works“ von Deirdre Nansen McCloskey (Yale University Press, 2019): „In der Coronapandemie wird – historisch einmalig in der Bundesrepublik – vielfach in die Freiheitsrechte der Bürger eingegriffen. Wir müssen davon ausgehen, dass nach dieser Krise eine neue Staatsgläubigkeit genauso überdreht daherkommen wird wie in den letzten Jahrzehnten manche Staatsskepsis. Das Buch ist deshalb so anregend, weil es über den Rückbezug zu Adam Smith und seine moralphilosophische Begründung einer liberalen Wirtschaftsordnung eine moderne Antwort an alle jene Zweifelnde richtet, die in populistischen, links wie rechts verorteten Parolen die Kälte des Liberalismus beklagen.

Es geht der Autorin um einen bürgerlichen Liberalismus, eingebettet in die rechtschaffenden und verantwortlichen Tugenden der modernen demokratischen Staatsbürgergesellschaft. McCloskey tourt durch die Entstehungsgründe liberalen Denkens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Teil 1) und öffnet den Blick auf die Wirkungen freiheitlicher Ordnung in der modernen Welt. Sie enttarnt dabei die „Trickle-Down-Hyothese“ als Irrlicht (Teil 2). In Teil 3 wird die irregeleitete Debatte um Ungleichheit beleuchtet und die ambivalente Bedeutung von Pikettys Studien deutlich gemacht, bevor durch eine Neubeschreibung die Verteidigungslinie des Liberalismus gegen Ängstlichkeit, bewusst falsche Fakten, Versagensrhetorik und staatliche Umsorgungslyrik gezogen wird.

Achim Wambach, Präsident des ZEW– Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, empfiehlt  „Kraft“ von Jonas Lüscher (Verlag C. H. Beck, 2017): „Es ist ein Wirtschaftsroman der besonderen Art. Kraft ist der Name eines Tübinger Rhetorik-Professors, der zu einem seltsamen akademischen Wettbewerb in die USA reist, und dabei sein Leben vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der vergangenen 30 Jahre reflektiert. Wirtschaftliche Themen – der Protagonist hat auch mal VWL studiert – kommen durch, es gibt Bezüge zu Margaret Thatcher, Ronald Reagan und dem Mauerfall. Kritik an unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsform inklusive, aber ohne dass es banal wird. Manche Fäden werden zu weit gesponnen, aber das Buch bietet viel Stoff zum Anknüpfen. Eine lohnende Lektüre.“

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