Windkraft: „Die Wind-Konkurrenz aus China drängt nach Europa“

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Windkraft „Die Wind-Konkurrenz aus China drängt nach Europa“

Siemens Gamesa will diese Woche seine künftige Strategie vorstellen. Investoren-Anwalt Jens Gölz glaubt an hohe Wachstumschancen – auch weil immer neue Player wie Ikea oder Google in dem Markt mitmischen.

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Jens Gölz ist Partner im Frankfurter Büro der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons. Er berät Banken, Fonds und Sponsoren zu Fragen strukturierter Finanzierungen. Einer seiner Schwerpunkte ist die Beratung bei Infrastruktur- und Energieprojekten.

WirtschaftsWoche: Herr Gölz, Sie beraten Banken und Investoren bei der Finanzierung von Windkraftprojekten. Welche Spuren hat Corona im Markt hinterlassen?
Jens Gölz: Die weltweite Rezession trifft die Branche natürlich hart. Nordex musste etwa staatliche Coronahilfen in Anspruch nehmen, bei Siemens Gamesa litt das Ergebnis. Gleichzeitig erhält die Branche Rückenwind durch das gestiegene Interesse der Investoren an grüner Energie. Zahlreiche neue Player tummeln sich auf dem Markt. Das Problem ist jedoch der gewaltige Genehmigungsstau im Markt der Windenergie in Deutschland, aber auch in Europa. So gut wie jedes Projekt wird beklagt. In Frankreich habe ich ein Windkraftprojekt betreut, das auf eineinhalb Jahre ausgelegt war und nach zehn Jahren noch nicht fertig war.

Welche neuen Investoren tummeln sich denn am Windkraft-Markt?
Für Pensionskassen, Pensionsfonds, Versicherungen und sonstige Asset-Manager ist Windkraft schon lange ein gutes Geschäft. Die Erträge sind zwar nicht besonders hoch. Aber die Windparks sorgen für stabile Einnahmen über einen langen Zeitraum, in Deutschland etwa über 20 Jahre. Durch den Rückzug vieler Investoren aus der fossilen Energieerzeugung steigt das Interesse an der Windkraft. So investieren etwa immer mehr Kirchen in Windkraft, auch wenn die Fonds ganz andere Namen tragen und die eigentlichen Investoren deshalb nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Die evangelische Kirche investiert etwa mit einem Fonds in Windkraft.

Werden Windkraftanlagen trotz des Förderchaos in Deutschland weiter attraktive Investments bleiben?
Definitiv ja. Der Windmarkt wird etwa auch für Unternehmen immer wichtiger. Viele Konzerne verpflichten sich in diversen Initiativen dazu, ihre Energieerzeugung ab einem gewissen Zeitpunkt auf einhundert Prozent Erneuerbare umzustellen. Solche Verpflichtungen sind etwa Google, Coca Cola, Deutsche Telekom oder Ikea eingegangen. Erreichen können die Unternehmen dieses Ziel auf verschiedene Weise. Sie können etwa einen Stromliefervertrag mit einem Stromunternehmen abschließen, das ausschließlich Strom aus Erneuerbaren Energien liefert. Alternativ können die Konzerne auch selbst einen Stromabnahmevertrag mit einem Windpark abschließen. Das hat etwa Google in Finnland öfters gemacht. Um seine Datencenter mit Strom zu versorgen, hat Google dort Ausschreibungen veranstaltet, welche die Lieferung mit einer bestimmten Menge Strom zu einem fixen Preis pro Kilowattstunde vorsahen. Und darauf konnten sich die Projektentwickler dann direkt bewerben. Dieses Modell dürfte an Popularität noch zunehmen, auch wenn die angebotenen Preise sich üblicherweise am unteren Ende bewegen.

Siemens Gamesa hat im letzten Quartal tiefrote Zahlen vorgelegt. Trotzdem stieg der Kurs der Aktie. Ist das eine Spekulation auf den wachsenden Markt?
Das kann man sicher so interpretieren. Gleichzeitig zieht der Markt aber auch neue Konkurrenz an. Der chinesische Windkraftkonzern Goldwind ist weltweit extrem aktiv. Derzeit ist Goldwind vor allem im asiatischen Raum und Indien stark. Aber der Konzern drängt massiv auf den europäischen Markt. Und wie so oft bei chinesischen Staatskonzernen wird Goldwind massiv von China subventioniert.

Wann wird Goldwind zur ernsthaften Konkurrenz von Vestas, Nordex und Siemens Gamesa heranwachsen?
Noch kämpft Goldwind in Europa um das Vertrauen vieler Investoren. Viele Banken trauen der Technik noch nicht. Dieses Vertrauen ist aber entscheidend bei Verträgen mit Laufzeiten von 20 Jahren und mehr. Denn ob Ansprüche der Investoren aus technischen Gebrechen in China so durchgesetzt werden können wie in Europa, das ist fraglich. Das ist die rechtliche Hürde, die bei Investments bei Goldwind mitschwingt. Gleichzeitig hat Goldwind auch einen immensen Vorteil: Die technischen Komponenten aus China sind einfach günstiger als die Turbinen von Siemens Gamesa oder Nordex.

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