Biotech- und Pharmafirmen im Fokus: Wenn der Kampf gegen Covid-19 Aktienkurse treibt

0/50 Bewertungen

Die Börse reagiert heftig auf die Ausbreitung des neuen Coronavirus, das haben die vergangenen Tage mit Kursverlusten rund um den Globus gezeigt. Doch das gilt auch in die andere Richtung: Weltweit haben Forscher an öffentlichen Instituten, Universitäten sowie in Pharma- und Biotechfirmen den Kampf gegen das Virus aufgenommen – und jede Erfolgsmeldung von der Suche nach einem Mittel gegen die neue Krankheit, so scheint es, lässt Börsianer frohlocken.

Jüngstes Beispiel: In den USA meldete die Biotechfirma Novavax am Mittwoch, Fortschritte bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs gemacht zu haben. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg daraufhin spontan um beinahe 20 Prozent.

Ein enormer Kurssprung wie es scheint, angesichts einer Mitteilung, die bei genauer Betrachtung vor allem eins zeigt: Genau wie viele andere Forscher hat offenbar auch Novavax noch einen weiten Weg vor sich, bevor das Unternehmen möglicherweise tatsächlich einen Corona-Impfstoff auf den Markt bringen kann.

Novavax hoffe, die Anzahl möglicher Wirkstoffkandidaten reduzieren zu können, so dass nach Möglichkeit im späten Frühjahr 2020 ein optimaler Kandidat für Tests an Menschen gefunden sei, heißt es in der Mitteilung. Viel weiter als andere scheinen die Fachleute des Biotechunternehmens in Gaithersburg im US-Bundesstaat Maryland also noch nicht zu sein.


Das Coronavirus und die Wirtschaft: Unser Newsticker hält Sie auf dem Laufenden


Wenige Tage zuvor hatte mit Moderna bereits eine andere US-Biotechfirma für Bewegung an der Börse gesorgt. Moderna scheint zumindest schon einen Schritt weiter zu sein: Wie das Unternehmen mitteilte, hat es einen ersten Impfstoffkandidaten an das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten der USA geschickt. Dort sollen nun erste Tests damit durchgeführt werden – und auch diese Neuigkeit versetzte Börsianer in Freude. Die Aktie von Moderna schoss binnen zweier Handelstage um mehr als 50 Prozent nach oben.

Die Reaktionen der Investoren zeigen, wie sehr die neue Infektionskrankheit namens Covid-19 sowie die Ausbreitung des neuen Coronavirus, dem die Weltgesundheitsorganisation WHO den Namen Sars-CoV-2 gegeben hat, die Menschen verunsichert. Das verwundert kaum: Spätestens seit Mitte Januar berichten die Medien über kaum ein Thema prominenter. Weltweit mehr als 80.000 Menschen haben sich offiziellen Zahlen zufolge bereits mit dem Virus infiziert, beinahe 3000 starben bislang daran. Immerhin deutlich mehr als 30.000 Menschen, auch das sollte nicht unerwähnt bleiben, haben die Infektion aber auch schon überstanden und sind wieder gesund.

Dennoch: Experten sprechen im Zusammenhang mit Covid-19 von einer „schweren Krankheitsform“. 15 von 100 Infizierten erkranken schwer, sagt etwa Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Das sei viel. Nach bisherigen Zahlen stürben 1 bis 2 Prozent der Infizierten. Auch da Therapeutika und ein Impfstoff fehlten, mache es Sinn, alle Möglichkeiten der Eindämmung auszuschöpfen, so Wieler.

Letzteres will in Deutschland beispielsweise die Firma Curevac in Tübingen ändern. Auch dieses Biotechunternehmen sucht wie die genannte US-Konkurrenz nach einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2. „Wir wollen mithilfe der bekannten Gensequenz des Erregers innerhalb von wenigen Monaten – also wesentlich schneller als bisher möglich – einen Impfstoffkandidaten für die klinische Erprobung entwickeln“,teilte Curevac-CEO Richard Hatchett bereits Ende Januar mit. „Dies ist ein sehr ambitionierter Zeitplan. Auch wenn wir erfolgreich sind, was nicht sicher ist, werden wir noch weitere Herausforderungen meistern müssen, bevor wir derartige Impfstoffe auf breiter Basis zur Verfügung stellen können.“

Unterstützt wird Curevac von CEPI, einer öffentlich-privaten Partnerschaft, über die dreistellige Millionenbeträge in die Entwicklung von Impfstoffen gegen Krankheiten wie Ebola oder Lassa-Fieber fließen. Auch das Bundesforschungsministerium unterstützt CEPI mit 90 Millionen Euro, so Curevac in seiner Mitteilung.

Große Anstrengungen also – die, so viel steht bereits fest, für den aktuellen weltweiten Covid-19-Ausbruch allerdings in jedem Fall zu spät kommen werden. Ohnehin dauert die Entwicklung eines neuen Impfstoffes gegen eine Viruserkrankung Experten zufolge ein volles Jahr – mindestens. Hinzu kommt noch: Eine Impfung muss definitionsgemäß eine gewisse Zeit vor einer Ansteckung erfolgen. Es liegt daher auf der Hand, dass die Anstrengungen von Curevac, Moderna und Co im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Corona-Krise weitgehend irrelevant sind.

Gefragt sind vielmehr Medikamente, die den Menschen helfen, die bereits an Covid-19 erkrankt sind oder sich in den kommenden Wochen und Monaten noch anstecken werden. Und auch in diese Richtung laufen die Bemühungen bereits auf Hochtouren. Insgesamt mehr als 50 laufende klinische Studien finden sich gegenwärtig in der US-Datenbank clinicaltrials.gov, die das Geschehen weltweit erfasst, unter dem Stichwort „Covid-19“. Darunter fällt die Impfstoffsuche ebenso wie die Entwicklung neuer Medikamente.

Problem allerdings: Auch die Entwicklung einer neuen Arznei gegen eine Krankheit ist in weniger als zwölf Monaten nicht zu schaffen. Vom Beginn der Forschung bis zur Zulassung und Anwendung vergeht mindestens ein Jahr, wie ein Sprecher des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen vfa sagt. Auch dies also ein Zeitraum, der für die akute Ausbreitung des neuen Coronavirus zu lang erscheint.

Die Hoffnungen ruhen daher gegenwärtig vor allem auf einer zweiten Möglichkeit: Der Anwendung bereits am Markt befindlicher Medikamente, die eigentlich gegen andere Krankheiten entwickelt wurden. Verschiedenen bestehenden Präparaten wird eine zumindest teilweise Wirksamkeit gegen Covid-19 zugetraut, darunter, wie auch das „Handelsblatt“ berichtet, Aidsmittel wie Darunavir vom US-Pharmariesen Johnson & Johnson Börsen-Chart zeigen oder Kaletra von Abbvie, ebenfalls USA. Auch das Grippemittel Tamiflu vom Schweizer Konzern Roche Börsen-Chart zeigen wird Berichten zufolge gegenwärtig auf seine Corona-Wirksamkeit getestet.

Heißer Favorit ist jedoch ein Mittel, das noch gar nicht offiziell zugelassen ist. Sein Name: Remdesivir. Dieser Wirkstoff wurde vom US-Unternehmen Gilead Sciences Börsen-Chart zeigen entwickelt und befindet sich momentan in der zweiten Phase der klinischen Erprobung.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Remdesivir, das ursprünglich zum Kampf gegen Ebola und das Marburgfieber entwickelt wurde, sei womöglich die einzige verfügbare Arznei, die eine wirkliche Wirksamkeit in der Behandlung von Corona-Patienten haben könnte, sagte ein Verantwortlicher der WHO am Montag auf einer Pressekonferenz in China. Worte, die offenbar auch an der Börse vernommen wurden: Die Aktie von Gilead legte binnen einer Woche zuletzt um etwa 15 Prozent zu.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*