Shoppingwahn vor Weihnachten: Weihnachtseinkäufe – acht Gründe, warum wir in die Falle tappen

0/50 Bewertungen

Hendrik Schmidt/ DPA

Weihnachtseinkäufe: Viel Geld für Geschenke, die selten gefallen

Jedes Jahr zu Weihnachten geben wir mehr Geld aus, als wir wollen, für Geschenke, die niemandem gefallen. Vom neuen Füllfederhalter für den Schwiegersohn bis zur viel zu teuren Küchenmaschine für den Lebenspartner. Selbst die Abmachung „Wir schenken uns nichts!“ wird am Ende meist doch zur leeren Verheißung. Warum eigentlich? Acht konsumpsychologische Thesen, die erklären, dass wir einfach nicht anders können.

Warum geben wir zu viel Geld für Geschenke aus?

Jeder kennt den weihnachtlichen Shoppingwahnsinn: Nehmen wir an, Sie möchten ein schickes Topfset verschenken und haben die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten. Natürlich haben Sie auch ein bestimmtes Budget für das Geschenk und müssten bei rein ökonomischer Betrachtung eigentlich das günstigste Topfset nehmen. Wollen wir wetten? Sie tun es nicht!

Erik Maier

Stattdessen passiert Folgendes: Unter den angebotenen Topfsets befindet sich nämlich ein besonders hochwertiges und teures, welches vermutlich auch noch besonders prominent platziert ist. Und schon sitzen Sie in der Falle. Wir sprechen hier von sogenannten Ankereffekten: Ein teures Produkt verschiebt die Spanne von Preisen, die noch akzeptabel sind, nach oben. Wodurch Sie bereit sind, generell mehr Geld auszugeben, als Sie ursprünglich wollten. Verstärkend kommt hinzu, dass Konsumenten häufig eine Tendenz zur Mitte zeigen, also weder das teuerste noch das billigste Produkt kaufen möchten. Welches Produkt haben Sie am Ende gekauft? Vermutlich eines, das etwas teurer war als ursprünglich geplant. Der Anker hat seinen Dienst getan.

Florian Dost

Warum kaufen wir teure Dinge für Menschen, die uns nicht nahestehen?

Nehmen wir an, Sie möchten ein Geschenk für Ihre Schwiegermutter kaufen. Die Eltern unserer Lebenspartner stehen uns emotional meist nicht allzu nahe, trotzdem ist es wahrscheinlich, dass Sie zu einem relativ teuren Präsent greifen. Aber warum?

Geschenke haben symbolischen Charakter und etwas Wertvolleres signalisiert Wertschätzung. Gleichzeitig sind Beziehungen zu Menschen, die uns nicht so nahestehen, gekennzeichnet durch eine gewisse soziale Distanz, was zu einem abstrakteren Nachdenken über die Bedürfnisse des Beschenkten führt. Die Frage, was für den beschenkten Menschen nützlich sein könnte, tritt in der Beurteilung zurück hinter den Aspekt der Begehrtheit des Geschenks (dies folgt aus der sogenannten Construal Level Theory).

Das Problem: Begehrenswerte Produkte sind meist sehr teuer. Wenn Sie ihrer Schwiegermutter also ein teures Hermès-Halstuch gekauft haben, könnte es an der sozialen Distanz gelegen haben. Kleiner Tipp: Lernen Sie die zu Beschenkenden einfach besser kennen. Das macht nicht nur das Weihnachtsfest netter, es spart auch Geld.

Warum neigen wir zu missglückten Überraschungen?

Nicht nur Kinder schreiben Wunschzettel, mittlerweile gibt es sie digital für jedermann beim Onlinehändler oder in der WhatsApp-Gruppe der Familie. Grundsätzlich könnten diese Listen den Geschenkekauf deutlich vereinfachen: Man ordert einfach das gewünschte Produkt, vielleicht sogar über einen Link, und alle sind zufrieden.

Gut, diese Art des Schenkens ist nicht sonderlich kreativ und gleicht eher einem materialistischen Tauschhandel. Doch genau hier liegt die Gefahr: Jede kreative Abweichung von der Wunschliste setzt Sie Informationsasymmetrien aus. Das heißt, dass die zu Beschenkenden natürlich mehr über sich selbst wissen, als Sie als Schenkende(r). Wenn Sie also statt des hochwertigen Topfsets vom Wunschzettel lieber einen Thermomix kaufen, weil der ja ganz toll sein soll und viel Arbeit abnimmt, können Sie böse auf die Nase fallen – etwa wenn der Beschenkte für sein Leben gern selber kocht.

Oder sie finden, dass weiße Dekokerzen gerade voll im Trend liegen; schade, wenn die Beschenkte puristischer Bauhaus-Fan ist. Ihre Mühe wird übrigens zudem von der oder dem Beschenkten eher nicht erkannt und wertgeschätzt. Zugegeben, je besser Sie einander kennen, desto geringer Ihr Risiko bei einer Abweichung. Aber anders herum: Wenn Sie einander so gut kennen, warum schreiben Sie dann Wunschzettel?

Seite 1 von 4

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*