Jetzt droht der Kollaps der US-Wirtschaft: Warum der Corona-Crash noch nicht vorbei ist

0/50 Bewertungen

DPA

New York in Quarantäne: Die Wirtschaft steht still, die Börse stürzt

Das Coronavirus bedroht die Funktionsfähigkeit der Gesundheitssysteme weltweit. In Ländern mit einem dysfunktionalen Gesundheitssystem steigt die Rate der tödlichen Krankheitsverläufe von Covid-19 erheblich an – gleichzeitig aber auch die der Todesfallzahlen jeder anderen Krankheit sowie von Unfällen. Alle Staaten werden, soweit nicht bereits geschehen, zu harten Social-Distancing-Maßnahmen greifen müssen, von denen bedeutende Teile aufrecht erhalten bleiben müssen, bis ein Impfstoff oder eine wirksame medikamentöse Behandlung gefunden worden ist.

Die Folgen für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte werden massiv sein, ebenso wie die Reaktionen der Regierungen und Notenbanken weltweit. Die Unterstützungsprogramme, die bisher bereits angekündigt wurden, werden nicht die letzten gewesen sein, weitere müssen und werden beschlossen werden. Dieser Text soll einen Überblick über die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und der bereits beschlossenen Maßnahmen geben sowie über das, was voraussichtlich noch kommen wird: steigende Staatsverschuldung, weiterhin fallende Kurse sowie aller Voraussicht nach eine harte Rezession in den USA. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Eine Stabilisierung ist in Sicht – allerdings noch nicht so bald.

756 Milliarden Euro Nothilfe – und das ist erst der Anfang

Daniel Pfändler

  • Daniel Pfändler verfügt über langjährige Erfahrung in der makro-ökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie. Er ist Gründer der unabhängigen Research Firma Research Ahead.

Die Effekte der notwendigen und teilweise drastischen Social-Distancing-Maßnahmen, die über den Globus hinweg ergriffen werden, führen zu einem in diesem Ausmaß nie gesehenen Einbruch der Wirtschaftsaktivitäten und damit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) im zweistelligen Prozentbereich – und zwar über Monate. Die Staaten und Zentralbanken kündigen große Rettungspakete für die Wirtschaft an, wobei der Fokus darauf liegt, Unternehmen und Banken liquide zu halten. Zusätzlich kündigen die Staaten „klassische“ Konjunkturprogramme an.

In Deutschland soll jetzt ein erster Nachtragshaushalt verabschiedet werden, weitere dürften folgen. Das Volumen beträgt 156 Milliarden Euro, das entspricht rund 4,6 Prozent des BIP. Des Weiteren soll ein Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Volumen von 500 Milliarden Euro aufgelegt werden, der für Garantien (400 Milliarden) und direkte Unternehmensbeteiligungen (100 Milliarden) gedacht ist. Und schließlich soll auch die staatliche Förderbank KfW zusätzliche 100 Milliarden Euro vom Bund für Kredithilfen an Unternehmen zur Verfügung gestellt bekommen. In der Summe wird die Nettoneuverschuldung somit um 356 Milliarden Euro erhöht, zusammen mit den 400 Milliarden an Garantien entspricht dies einem Gesamtvolumen von 756 Milliarden oder 22 Prozent des BIP.

Weil die Europäische Union den Stabilitätspakt vor dem Hintergrund der Notsituation außer Kraft gesetzt hat, dürften sämtliche EU-Länder mit großen Fiskalpaketen ihre Wirtschaft unterstützen. Die Länder, die schon Maßnahmen angekündigt haben, werden sie noch ausweiten. Zu guter Letzt dürfte auch der European Stability Mechanism (ESM) aktiviert werden, der noch 410 Milliarden Euro an freiem Kreditpotential umfasst, um einzelnen Staaten zusätzliche Kreditlinien zu gewähren. Dies wiederum würde es der Europäischen Zentralbank ermöglichen, Outright Monetary Transactions durchzuführen – wenn das betroffene Land darum ersucht – und zusätzliche Staatsanleihen einzelner Eurozonen-Länder zu erwerben.

Seite 1 von 3

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*