VW-Tochter: Traton kauft Navistar für 3,7 Milliarden Dollar

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VW-Tochter Traton kauft Navistar für 3,7 Milliarden Dollar

Volkswagen verstärkt sein Nutzfahrzeug-Geschäft in Nordamerika mit der milliardenschweren Übernahme des Lkw-Herstellers Navistar. Vorausgegangen waren zähe Verhandlungen.

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Volkswagen verstärkt sein Nutzfahrzeug-Geschäft in Nordamerika mit der milliardenschweren Übernahme des Lkw-Herstellers Navistar. Die VW-Tochter Traton, zu der die Lastwagenbauer MAN und Scania gehören, einigte sich am Freitag nach zähem Ringen mit ihrem langjährigen US-Partner und dessen Großaktionären. „Wir sind erfreut darüber, nach intensiven Verhandlungen mit Navistar eine grundsätzliche Einigung über eine Transaktion erzielt zu haben“, sagte Traton-Chef Matthias Gründler. Traton hält bereits 16,8 Prozent an Navistar und ist nun bereit, für alle übrigen Aktien jeweils 44,50 Dollar zu zahlen. Damit muss Traton insgesamt 3,7 Milliarden Dollar hinblättern.

Mit Navistar schließt die Nutzfahrzeug-Holding von VW eine Lücke. MAN und Scania sind zwar in Europa stark, und auch in Südamerika ist Traton gut vertreten. Doch in den USA und Kanada dominieren Konkurrenten wie Daimler und Paccar.

Noch am Mittwoch hatte Traton 43 Dollar als letztes Angebot bezeichnet und den Amerikanern für dessen Annahme ein Ultimatum bis Freitagabend gestellt. Doch Navistar-Chef Troy Clarke und die Großaktionäre Carl Icahn und Mark Rachesky, die ihren Einfluss im Verwaltungsrat geltend machen, forderten mehr. Die beiden aktivistischen Investoren halten wie Traton jeweils knapp 17 Prozent der Navistar-Anteile. Im letzten Moment kam doch noch Bewegung in die Sache: Bei 44,50 Dollar könne man sich einigen, signalisierte Clarke in einem offenen Brief, und Gründler schlug ein. Angestoßen hatte die Übernahme Anfang des Jahres noch sein Vorgänger Andreas Renschler, der im Sommer gehen musste.

Nach der Grundsatzeinigung schossen die Navistar-Aktien an der Wall Street um acht Prozent auf 43,50 Dollar. Die Titel von Traton und Volkswagen, die vor der Einigung mit einem deutlichen Plus aus dem Xetra-Handel gegangen waren, gaben im Frankfurter Späthandel einen Teil ihrer Gewinne ab.

Zwar stehen weitere Schritte wie eine vertiefte Prüfung der Navistar-Bücher, der Abschluss eines Verschmelzungsvertrages und Genehmigungen durch Gremien und Behörden noch aus. Doch der neue Traton-Chef machte deutlich, dass er keine entscheidenden Hürden mehr sieht. Gründler heiß Navistar in der Mitteilung bereits als „das neue Mitglied der Traton-Familie“ willkommen.

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