Vor Schulgipfel: Kultusminister: „Mit Kraft die Digitalisierung vorantreiben“

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Vor Schulgipfel Kultusminister: „Mit Kraft die Digitalisierung vorantreiben“

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Vor dem informellen Schulgipfel im Kanzleramt sehen die Kultusminister die Digitalisierung als eine der größten Herausforderungen, wie eine Umfrage der WirtschaftsWoche zum Lernen in der Coronakrise zeigt.

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„Der Fernunterricht braucht neue Konzepte“, sagte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Das Buch durchs Laptop, die Tafel durchs Smartboard zu ersetzen, sei „nicht der richtige Weg“. Mittelfristig müssten Präsenz- und Fernunterricht „besser verzahnt werden“, forderte Eisenmann. Zurückziehen dürften sich Lehrer nicht, sie seien „auch von zu Hause weiterhin im Dienst“, der Fernunterricht sei deshalb „nicht freiwillig, sondern verbindlich.“

In Nordrhein-Westfalen ist „Distanzunterricht künftig dem Präsenzunterricht gleichwertig und damit für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gleichermaßen verpflichtend“, kündigte Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) an. Ihr Ziel bleibe aber „Unterricht nach Stundentafel und in Präsenz“, da dieser „die beste Form des Lernens“ sei, auch „im Hinblick auf Chancengerechtigkeit“.

Schleswig-Holsteins Kultusministerin Karin Prien (CDU) ist zwar überzeugt, dass Schulen „Digitalisierung können“, allerdings sei die Vorstellung falsch, dass es dafür „nur Geld und Tablets“ brauche. Schulentwicklung sei „ein aufwändiger Prozess“. Die Coronapandemie habe jedoch zu einem „gewaltigen Innovationsschub in der digitalen Bildung geführt“. Grundsätzlich aber sei die Digitalisierung von Schulen eine Aufgabe, die nur gemeinsam „von Schulen, Schulträgern aber auch den Eltern und Schülerinnen und Schülern gemeistert werden kann“.

So betont auch Bremens Schulsenatorin Claudia Bogedan (SPD), dass die Pandemie von allen „ein schnelles Umdenken“ fordere. In der Hansestadt seien viele Lehrkräfte und Schüler „fast nahtlos“ vom Präsenz- in den Distanzunterricht gewechselt: „Die Mehrheit der Lehrkräfte will und kann mit der Digitalisierung umgehen“, betont sie.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sieht in der Digitalisierung jedoch „kein Allheilmittel“: „Bildungsungerechtigkeit wird im Distanzunterricht potenziell eher verschärft als abgebaut“, mahnte er. Deshalb müsse beides angegangen werden: „Mit Kraft die Digitalisierung vorantreiben“, aber das Recht auf Bildung möglichst in den Schulen zu realisieren, „soweit es das Infektionsgeschehen zulässt.“

Ein Grund, weshalb auch Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betont, dass Lernen zuhause „eine Ausnahme bleiben“ muss: „Wissensvermittlung und soziales Miteinander finden in erster Linie im Klassenzimmer statt“. Ziel sei deshalb, den Unterricht dorthin zurück zu holen: „Leider liegt dies aber nur bedingt in unserer Hand, denn oberste Priorität muss auch weiterhin der Schutz der Gesundheit haben“. Bayerns Schulen würden deshalb über „umfangreiche, konkrete und verlässliche Vorgaben“ für den Fall verfügen, „dass der Distanzunterricht doch noch einmal nötig wird“.

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