„Verspannungen bleiben“: Industrie mit drittem Auftragsplus

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„Verspannungen bleiben“ Industrie mit drittem Auftragsplus

Die deutsche Industrie kann wieder mehr Aufträge verzeichnen. Im Juli wuchs das Geschäft im dritten Monat im Folge mit einem Plus von 2,8 Prozent. Das Vorkrisenniveau ist aber noch lange nicht erreicht.

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Die zu Beginn der Corona-Krise in Rekordtempo geleerten Auftragsbücher der deutschen Industrie füllen sich wieder: Das Neugeschäft wuchs im Juli bereits den dritten Monat in Folge. Allerdings fiel das Plus mit 2,8 Prozent zum Vormonat nur gut halb so stark wie von Ökonomen erwartet. Dies lag vor allem an der geringeren Binnennachfrage, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Die Auslandsaufträge wuchsen dagegen nach dem Ende der Corona-Rezession bei wichtigen Handelspartnern um 14,4 Prozent. Der Aufholprozess „dürfte sich auch in den nächsten Monaten fortsetzen“, erwartet das Ministerium angesichts sinkender Kurzarbeit und verbesserter Geschäftserwartungen der Firmen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gibt sich vorsichtiger. „Der Rückgang der Bestellungen aus dem Inland hingegen zeigt, dass die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung verfrüht sind“, erklärte DIHK-Expertin Melanie Vogelbach. „Zahlreiche Unternehmen hierzulande könnten die negativen Folgen der Pandemie noch zu spüren bekommen.“ Noch immer bremsten eine verminderte Nachfrage, ausbleibende Investitionen, Störungen in den Lieferketten und Einschränkungen bei Geschäftsreisen die Industrie. Hinzu kommt: Trotz der Aufholjagd liegt der Auftragseingang noch um mehr als acht Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020 – dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie.

Für das laufende Sommerquartal wird wieder ein kräftiges Wachstum erwartet. Die Commerzbank-Ökonomen rechnen mit einem Plus von neun Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Im zweiten Quartal war es wegen der Corona-Beschränkungen mit 9,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie. Sind die während der Krise liegengebliebenen Aufträge erst einmal abgearbeitet, dürfte es danach wieder schwieriger werden. „Die leicht erreichbaren Früchte sind geerntet, jetzt wird die konjunkturelle Aufholjagd an Dynamik einbüßen“, warnte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch.

Dazu trägt bei, dass die Lage in vielen Bereichen bereits vor der Corona-Pandemie schwierig war. „Der Strukturwandel in der Automobilbranche belastet“, nannte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, ein Beispiel. „Die schlimmsten Schmerzen mögen gelindert sein, chronische wirtschaftliche Verspannungen bleiben dem verarbeitenden Gewerbe vorerst erhalten.“

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