Studie der Allbright-Stiftung: Bayer, Adidas, RWE: Diese Unternehmen scheitern beim Frauenanteil

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Studie der Allbright-Stiftung Welche deutschen Unternehmen beim Frauenanteil im Vorstand scheitern

Jahrelang stieg der Anteil von Topmanagerinnen in der Führungsetage deutscher Dax-Konzerne. Doch ausgerechnet im Krisenjahr kehrt sich der Trend um. Gleich elf Dax-Unternehmen haben einen rein männlichen Vorstand.

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Der Frauenanteil in den Top-Etagen deutscher Börsenschwergewichte ist erstmals seit Jahren gegen den internationalen Trend gesunken. Zum Stichtag 1. September 2020 saßen in den 30 Dax-Konzernen 23 Managerinnen im Vorstand, wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright Stiftung hervorgeht. Vor einem Jahr waren es noch 29. „Was auch immer Aufsichtsräte dazu veranlasst, in der Krise nun sogar noch verstärkt auf Männer in den Vorständen zu setzen – es ist ein kurzsichtiger Reflex, der zeigt, wie wenig verankert die Vielfalt von Perspektiven an deutschen Unternehmensspitzen ist“, kritisierte Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der Allbright Stiftung.

Damit werde der dringend notwendige Modernisierungsschub an der Spitze der Unternehmen blockiert, der im Ausland längst in vollem Gange sei, sagte Ankersen. Die Entwicklung im Top-Management deutscher Unternehmen passe nicht zum Selbstverständnis eines fortschrittlichen westlichen Industrielandes, argumentierten Ankersen und ihr Co-Geschäftsführer Christian Berg.

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Börsenschwergewichte der Studie zufolge weiter zurückgefallen. Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Vorstand sank auf 12,8 Prozent. Es war der erste Rückgang seit der ersten Untersuchung 2016. In den USA stieg der Frauenanteil in der Top-Etage von 30 Börsenschwergewichten dagegen auf 28,6 Prozent, in Schweden auf 24,9 Prozent, in Großbritannien auf 24,5 Prozent, in Frankreich auf 22,2 Prozent und in Polen auf 15,6 Prozent. Die Zuwächse lagen zwischen 0,8 Prozent (USA) und 2,6 Prozent (Polen).

„Nur wenn Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung übernehmen, können wir in diesen herausfordernden Zeiten Erfolg haben“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Schlusswort. Die Zahlen der deutschen Unternehmen stünden im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in denen der positive Trend anhalte und die Ergebnisse deutlich besser ausfielen.

Der Studie zufolge gab es zum Stichtag elf Dax-Konzerne ohne eine einzige weibliche Führungskraft im Vorstand. Etwa Adidas, Bayer, Linde, RWE, E.On, MTU – oder auch Dax-Neuling Delivery Hero. Ein Jahr zuvor hatten lediglich sechs Unternehmen einen rein männlichen Vorstand. In allen 30 Dax-Konzernen liegt der Frauenanteil im Vorstand demnach unter 30 Prozent.

In nur vier Unternehmen sitzen mehrere Managerinnen in der Top-Etage. Dazu zählen Allianz, Daimler, Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care. Dagegen haben beispielsweise 97 Prozent der US-Großunternehmen und 87 Prozent der französischen Topkonzerne mindestens zwei Frauen im Vorstand. Cisco Systems und JP Morgan Chase stechen hier mit einem Frauenanteil von 50 Prozent hervor.

Die Allbright-Stiftung teilt die Unternehmen aus Dax, MDax und SDax im diesjährigen Report auch in ein Ranking ein, sortiert si in eine grüne Liste (40 Prozent Frauen im Vorstand), eine gelbe Liste (eine Frau im Vorstand, aber keine 40 Prozent), rote Liste (keine Frau im Vorstand). Auf der grünen Liste stehen mit Ceconomy und dem seit 2018 an der Börse gestarteten Dermapharm nur zwei Unternehmen. Beide sind im SDax gelistet, beide haben einen Frauenanteil von 50 Prozent im Vorstand. Die Stiftung erweiterte die rote Liste sogar um eine „doppelt rote Liste“ für Unternehmen, bei denen weder im Vorstand, noch im Aufsichtsrat eine Frau sitzt. Auch hier finden sich prominente Namen: Etwa Rocket Internet, TeamViewer, Varta (allesamt nur zwei Personen im Vorstand) oder Autovermieter Sixt.

Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

Mehr zum Thema: Auf der eigenen Website wollen sich Dax-Unternehmen als tolle Arbeitgeber junger, diverser Teams präsentieren. Der Versuch gelingt nur selten.

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