SPD-Kanzlerkandidat: Olaf Scholz trifft seinen gescheiterten Vorgänger

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SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz trifft seinen gescheiterten Vorgänger

Martin Schulz dürfte für Olaf Scholz so etwas wie ein warnendes Beispiel sein. Am Montag kam es in tiefster Provinz zu einer Begegnung zwischen den beiden.

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Olaf Scholz hat fast den gleichen Nachnamen wie sein Vorgänger als SPD-Kanzlerkandidat. Gibt es noch andere Parallelen? Vieles verbinde sie miteinander, sagt der Vizekanzler und Bundesfinanzminister, unter anderem die Erfahrung als Bürgermeister. Scholz regierte Hamburg, Martin Schulz bestimmte die Geschicke von Würselen. Ganz allgemein gelte: „Wir tauschen uns die ganze Zeit aus, lernen voneinander, miteinander.“

An diesem Montagnachmittag begegnen sich der frühere und der aktuelle Hoffnungsträger der ältesten deutschen Partei in tiefer Provinz. Schauplatz des Zusammentreffens ist die kleine Werkshalle eines Busunternehmers in einem Gewerbegebiet an der Peripherie von Würselen bei Aachen.

Es geht an diesem Nachmittag in erster Linie um Lokalpolitik – in NRW sind nächsten Monat Kommunalwahlen. Das ist allerdings nicht der Grund dafür, dass in der Halle mehrere Fernsehkameras aufgestellt sind. Was sie wollen, ist das Bild von Schulz und Scholz am selben Tisch. Der alte und der neue Kandidat. Beide tragen sehr ähnliche blaue Anzüge und rote Krawatten.

Schulz erlebte 2017 zuerst einen Höhenflug in den Meinungsumfragen und dann einen dramatischen Absturz. Als „Schulz-Story“ kam sein Schicksal im vergangenen Jahr in Hamburg sogar auf die Theaterbühne. 20,5 Prozent hat die SPD 2017 mit Schulz erzielt – es war das schlechteste Bundestagswahlergebnis der Parteigeschichte.

Aktuell liegen die Umfragewerte der SPD allerdings noch darunter. Scholz hat als Ziel für die nächste Bundestagswahl mehr als 20 Prozent ausgegeben. Insofern sieht die Leistung von Schulz im Rückblick von drei Jahren gar nicht mehr so katastrophal aus wie damals. Sein Ergebnis muss die SPD nächstes Jahr erstmal schaffen.

Zu früh nominiert?

Scholz ist derjenige, der an diesem Nachmittag die Bürgerfragen bekommt. Er steht und redet. Martin Schulz sitzt auf einer Art Barhocker und hört zu. Was mag ihm durch den Kopf gehen? Ist er wirklich immer mit den Gedanken dabei, wenn ein Gaststättenbetreiber aus der Region von seinen Existenzängsten spricht? Wenn die Frage gestellt wird „Was ist mit Karneval?“

Oder kommt ihm zwischendurch auch die Anfangsphase seiner eigenen Kandidatur in den Sinn? Damals sagte der britische Historiker und Karlspreisträger Timothy Garton Ash, es wäre für Europa womöglich besser, wenn Schulz der nächste deutsche Regierungschef würde.

Letzte Frage der Veranstaltung – jetzt endlich kommt’s: War die sehr frühe Nominierung von Olaf Scholz wirklich so schlau? „Habt ihr nicht von Martin gelernt: Zu früh ist nicht so jooht (gut)?“ Da sei doch schließlich auch noch der „Märchenprinz aus Bayern“, den die anderen in einigen Monaten aus dem Hut zaubern könnten?

Nein, es sei nicht zu früh, sagt Scholz. Denn jetzt hätten die Wähler ein Jahr Zeit, sich eine Meinung zu bilden zu der Frage „Was ist das für einer?“ Gleichzeitig könne die SPD beweisen, dass sie geeint sei. „Absolute Geschlossenheit ist absolut notwendig.“ Das sei eine Lehre aus dem vergangenen Bundestagswahlkampf.

An dieser Stelle hakt Martin Schulz nochmal ein. Der Olaf habe eben über Willy Brandt und Helmut Schmidt gesprochen, sagt er. „Die konnten sich auch nicht leiden…“ Gelächter unterbricht ihn. Man solle ihm doch Gelegenheit geben, den Satz zu beenden, bittet Schulz. „Die konnten sich auch nicht leiden, wenn der eine dem anderen in die Quere kam.“

Aber dennoch hätten sie immer zusammengestanden. Auch zwischen ihm und Scholz habe es in der Vergangenheit schon mal Spannungen gegeben, und doch verfolgten sie genau dasselbe Ziel: die SPD nach vorn zu bringen. „Ich hoffe sehr, dass der nächste Bundeskanzler Olaf Scholz ist.“

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