Milliardenkosten im Aktiengeschäft: So teuer ist der High-Speed-Handel für Normalanleger

0/50 Bewertungen

REUTERS


Aktienhändler in New York: Zeit ist Geld – die Weisheit gilt auch an der Börse.

Es ist einer der umstrittensten Bereiche des Finanzgeschäfts – und offenbar auch ein ziemlich lukrativer: Die Rede ist vom superschnellen High-Speed-Trading. Dabei setzen Investmentfirmen alle möglichen technischen Hilfsmittel wie spezialisierte Software, hochleistungsfähige Rechner oder superschnelle Leitungen ein, um im Wettbewerb um die schnellste Reaktion auf marktbewegende Informationen oder Ereignisse dem Rest der Anleger zumindest ein kleines Stück voraus zu sein.

Die Idee dahinter: Je schneller ein Investor beispielsweise auf einen beginnenden Kursanstieg reagieren kann, desto mehr kann er daran verdienen. In die Röhre schauen dabei logischerweise all jene Anleger, die weniger reaktionsschnell sind – sie erhalten schlechtere Kurse, zahlen also zu Gunsten des High-Speed-Traders drauf.

Eine neue Studie zeigt nun, wie ertragreich diese Strategie auf Dauer sein kann. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, hat die britische Finanzaufsicht FCA herausgefunden, dass High-Speed-Trader mit ihrem Vorgehen auf den weltweiten Aktienmärkten jährlich bis zu fünf Milliarden Dollar verdienen. Es handele sich dabei um so etwas wie eine kleine, aber signifikante „Zusatzsteuer“ für das Gros der Investoren, so die Zeitung.

Laut „Wall Street Journal“ gibt es zahlreiche Experten, die davon ausgehen, dass vielen Marktteilnehmern tatsächlich ein entsprechender Schaden durch den Hochfrequenzhandel entsteht. Vertreter der fraglichen Investmentfirmen streiten dies jedoch ab, so die Zeitung. Viele Wissenschaftler hätten die These bereits verworfen, zitiert das „WSJ“ beispielsweise eine Lobbyistin der High-Speed-Trader. Die aktuelle Untersuchung verfolge offensichtlich politische Absichten.

Doch die FCA kann offenbar mimt Fakten aufwarten: Nach Angaben der Studienautoren beträgt die „Steuer“, die durch den High-Speed-Handel für Normalanleger entsteht, etwa 0,0042 Prozent des täglichen Handelsvolumens. Weil es aufgrund der Diskretion des Geschäfts kaum offizielle Daten zum Hochfrequenzhandel am Finanzmarkt gibt, mussten die FCA-Analysten für ihre Berechnungen auf Daten der Londoner Börse aus dem Jahr 2015 zurückgreifen, die bislang nicht untersucht worden seien. Zwar erscheint der „Steuersatz“ winzig. Die Masse der Transaktionen sei aber in diesem Fall der entscheidende Faktor.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Wie dem „WSJ“ ebenfalls zu entnehmen ist, entfallen etwa 2,8 Milliarden der insgesamt knapp fünf Milliarden Dollar, die die Hochfrequenz-Händler verdienen, auf den US-Aktienmarkt. Weitere 85 Millionen Dollar entfallen auf die deutsche Börse, so die Angaben.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*