Börsenprofi Robert Halver erklärt: So lassen sich Ökonomie und Ökologie versöhnen

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Ökonomie mit Ökologie versöhnen, nicht weiter spalten

Es kommt keine freudige Erregung auf, wenn klassische Industriebranchen aus klimapolitischer Korrektheit hingerichtet werden. Kein deutscher Facharbeiter will bei der Versorgung seiner Familie feststellen, dass am Ende des Gehalts oder der Stütze noch so viel Monat übrig ist.

Robert Halver



  • Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarkt-analyse der Baader Bank AG und bekannt durch regelmäßige Medienauftritte und als Kolumnist. Mit Wertpapieranalyse beschäftigt er sich seit über 20 Jahren.

Um Akzeptanz für Klimaschutz zu gewinnen, müssen die Menschen mitgenommen werden. Sie müssen von ihm profitieren. Und wenn Europa und vor allem Deutschland doch so gerne die Rolle des Klimamusterknaben der Welt spielen, warum ist man dann nicht auch konsequent in der wirtschaftlichen Umsetzung? Angesichts zunehmender Umweltverschmutzung und steigendem Ausstoß klimaschädlicher Gase ist Klimaschutz ein Jahrhundert-Geschäftsmodell. Überhaupt ist Klimatechnik Made in Germany in vielen Bereichen Weltklasse. Und ebenso gibt es in anderen EU-Ländern vielversprechende Ansätze. Es ist nicht moralisch verwerflich, mit Klimaschutz Geld zu verdienen.

Wie im Gleichnis aus dem Evangelium nach Matthäus darf Europa jetzt seine Talente nicht vergraben oder an China verschenken. Peking setzt alles daran, unseren Vorsprung auf- und dann zu überholen. Das Land hat knapp dreimal so viele Einwohner wie die EU und damit auch dreimal so viele Arbeitskräfte und Talente, die alle hungrig auf den Wohlstand sind, den wir für selbstverständlich halten. Wenn die Chinesen können, werden sie Europa auch auf dem Umweltsektor ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.

Der „Big Green Deal“ der EU wird teuer

Deutschland wird ganz tief in die Tasche greifen müssen. Aber das mussten wir beim Wiederaufbau auch. Von nichts kommt eben nichts. Zur Zielerreichung wird nicht zuletzt die EZB als Big Spender eingespannt. Mit mehr als 20 Milliarden Euro monatlich kauft sie mehr als doppelt so viele Staatspapiere auf, als dass neue ausgegeben werden. Da bleibt genügend Kaufkraft für Öko-Anleihen übrig.

Im Übrigen, für Green Technology sollte Deutschland seine schwarze Null aufgeben. Immerhin geht es um alternative Wohlstands- und Beschäftigungssicherung. Wenn China für dieses Megathema neue Schulden macht – für die es im Vergleich zu Deutschland Zinsen zahlen muss – darf Berlin nicht am falschen Ende sparen, für das es früher oder später mit Wirtschaftseinbußen massiv draufzahlt.


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Besonders sinnvoll wäre ein europäischer Staatsfonds. Zumindest Deutschland sollte mit der Auflage eines nationalen Sondervermögens vorangehen, das sich dem Thema Umwelttechnik mit Inbrunst und Anschubfinanzierung widmet.

Dieser Staatsfonds sollte neben privaten Kapitalsammelbecken unbedingt auch für Anleger über regelmäßig steuerlich begünstigte Ansparbeiträge geöffnet werden. So entkämen sie der Zinsfalle, die ihnen todsichere Altersarmut einbringt.

Bleiwesten-Politik verhindert Segnungen des Klimaschutzes

Grundsätzlich hat Europa keine Alternative zu diesem umfassenden Green Deal. Die EU als kollektives Industriemuseum ist keine Option.

Ich bin aber nicht naiv. Hier 27 EU-Länder (ohne die Briten) unter einen Hut zu bringen, hat viel mit der Quadratur des Kreises zu tun.

Allein Deutschland hat ja schon seine liebe politische Not. Zunächst fehlt es vielen Amtsträgern der GroKo an Begeisterungsfähigkeit. So mancher heutige Politiker hat das Charisma eines Atlantik-Tiefs. Früher war hier deutlich mehr Lametta. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regierungsparteien an ein altes zerstrittenes Ehepaar erinnern, das nur zusammenbleibt, um bei einer Scheidung kein Vermögen zu verlieren.

Der politische Vermögensverlust für die SPD wäre es, sich auf die Oppositionsbänke setzen zu müssen. Und Opposition ist Mist. Nach einer vorzeitigen Neuwahl könnten einige Genossen nicht einmal mehr Opposition sein. Übrigens hat ebenso die Union etwas gegen eine Neuwahl. Laut Umfragen könnte sie unter 30 Prozent und in Reichweite der Grünen fallen, deren Zuwächse auch Fleisch vom Fleische der CDU sind.

Der Börsenkurs der Woche – vom Profi


Kurse, Indexstände, Aufs und Abs – an der Börse passiert täglich Neues, Besonderes und Überraschendes. An dieser Stelle präsentiert und erklärt jeden Montag ein Finanzmarktprofi sein Börsen-Highlight der Woche.

Damit beide Partner gesichtswahrend an der Koalition festhalten können, wird der SPD noch mehr fürsorgender Staat gewährt. Umgekehrt werden der Union ein paar wirtschaftsfreundliche Brocken hingeworfen.

„Erst das Land, dann die Partei“? Das war einmal!

Damit geht die deutsche Politik aber nicht ins Obligo, wagt nicht den dringend benötigten politischen Befreiungsschlag, um den Klimaschutz nicht nur moralisch zu befördern, sondern ihn vor allem wirtschaftspolitisch auszunutzen. Hat man in Berlin vergessen, dass man nur dann umverteilen kann, wenn es etwas zum umverteilen gibt?

Und dabei könnte Klimaschutz gleich dreifach beglücken: Die Umwelt, die Konjunktur und die Anleger. Doch drei Dinge auf einmal gibt es nur beim Überraschungs-Ei.

Leider. Die Stimmung in der Wirtschaft könnte viel süßer sein.

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