Russland: Kreml weist Schuld am möglichen Giftanschlag auf Kritiker Nawalny zurück

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Russland Kreml weist Schuld am möglichen Giftanschlag auf Kritiker Nawalny zurück

Der Kreml bezeichnet die Anschuldigungen als „ein leeres Rauschen“. Für strafrechtliche Ermittlungen sehe man vorerst keinen Anlass.

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Der Kreml hat Vorwürfe über eine Beteiligung an einem möglichen Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny zurückgewiesen. Die Anschuldigungen seien nicht wahr und „ein leeres Rauschen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag. „Wir haben nicht die Absicht, sie ernst zu nehmen.“

Nawalny wird in der Berliner Charité behandelt, er liegt im Koma. Die Charité erklärte am Montag, Tests deuteten auf eine Vergiftung hin. Familie und Anhänger des Oppositionspolitikers vermuten den Kreml hinter seiner plötzlichen Erkrankung und haben Ermittlungen zu einer möglichen Beteiligung des russischen Präsidenten Wladimir Putin gefordert.

Peskow erklärte, er sehe keinen Grund für strafrechtliche Ermittlungen. Nawalnys Zustand könne von einer ganzen Reihe von Ursachen ausgelöst worden sein, und eine solche müsse zuerst bestimmt werden. „Wenn eine Substanz gefunden wird, und wenn festgestellt wird, dass es eine Vergiftung ist, wird es einen Grund für Ermittlungen geben.“

Der Kreml-Kritiker Nawalny erkrankte vergangene Woche auf einem Flug von Sibirien nach Moskau und wurde nach einer Notlandung in ein Krankenhaus der Stadt Omsk gebracht. Die Ärzte dort vermuteten eine Stoffwechselstörung. Seine Anhänger gehen hingegen davon aus, dass er vor dem Flug vergifteten Tee getrunken hat.

Zu früh für Schlüsse

Ärzte der Charité, in die er am Wochenende verlegt wurde, fanden bei Nawalny nach eigenen Angaben Hinweise auf Cholinesterase-Hemmer. Solche Substanzen finden sich unter anderem in Pestiziden und Nervenkampfstoffen. Experten haben erklärt, dass es für Schlüsse zu früh sei.

Sie verwiesen aber darauf, dass das Nervengift Nowitschok, das 2018 beim Giftanschlag auf den früheren russischen Agenten Sergej Skripal und seine Tochter in Großbritannien eingesetzt wurde, ein Cholinesterase-Hemmer gewesen sei.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch erklärte am Dienstag, sie habe die Reaktion der russischen Regierung erwartet. „Es war offensichtlich, dass zu dem Verbrechen nicht ordentlich ermittelt und ein Schuldiger gefunden würde“, twitterte sie.

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