Reimer direkt: Das Perpetuum mobile des gütigen Staates

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Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Politiker können jede Rezession auf Pump kaschieren – bis Anleger keine Staatsschulden mehr kaufen. Danach hilft nur noch Gold.

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Zurück aus dem Urlaub, quer durchs Land gereist, zu Wasser und zu Land, fast jeden Tag woanders. Der Eindruck: Wir haben eine Wirtschaftskrise, von der offensichtlich die meisten nicht viel merken. Es ist Rezession, und niemand geht hin. Discounter, Bio- und Fahrradmärkte eröffnen neue Filialen. Die Strände sind voll, die Hotels ausgebucht, die Restaurants gut besucht – die schwer getroffenen Gastronomen scheinen aufzuholen.

Das sind, zugegeben, subjektive Eindrücke aus Urlaubsregionen. Pleiten, Entlassungen, Geschäftsschließungen aber finden vor allem in Branchen statt, die schon zuvor Probleme hatten – und in unzähligen Alarmmeldungen von Lobbyisten, die weitere staatliche Hilfen mobilisieren sollen. Und die Politik liefert.

Es wirkt wie eine Wiedergutmachung auf das unangemessen heftige Herunterfahren der Wirtschaft: Soforthilfen? Gern doch, auch für viele, die sie nicht bekommen dürften. Kurzarbeitergeld? Klar, jetzt auf 24 Monate verlängert. Noch mal eine Milliarde für Reiseveranstalter TUI? Genehmigt. Dass davon auch Milliardäre profitieren, wen kümmert es. Kein Problem, das sich nicht mit Staatsgeld beheben ließe. Auf Pump. Eine sich selbst nährende Geldmaschine, ein Perpetuum mobile: Investoren kaufen Staatsschulden, Staat stützt Wirtschaft, Kurse steigen, die so belohnten Investoren kaufen Staatspapiere.

Wie lange geht das gut? So lange, wie Investoren darauf vertrauen, dass der Staat Schulden zurückzahlen kann. Da scheint noch Spielraum, wenn sogar 30-jährige Bundesanleihen negativ rentieren – Anleger dem Staat also Geld dafür bezahlen, dass sie ihm Kredit geben dürfen. Meldungen über Auktionen von Staatsanleihen, die schleppend liefen – zuletzt wurden die USA nicht alle Papiere los – geben eine Ahnung davon, was passieren könnte, bleiben aber Randnotizen. Es gibt ja die Notenbanken, die Schuldpapiere kaufen und unbegrenzt Geld schöpfen können – so lange die Menschen ihren Währungen vertrauen und ihr Geld akzeptieren.

Nur: Wenn sie dies nicht tun, dann kann es ganz schnell gehen. Bei einigen schreitet der Vertrauensverlust schnell voran – abzulesen am rasanten Gewinn der Alternativwährung Gold. Selbst Warren Buffett, der sich immer lustig machte über die Menschen, die Gold ausgraben, nur um es dann wieder im Tresor zu vergraben, hat Goldminenaktien gekauft. Der Superinvestor, der jetzt 90 wird, ist nicht das schlechteste Vorbild.

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