Insolvenzverwalter eingesetzt: Wie es beim Modekonzern Escada jetzt weitergeht

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Insolvenzverwalter eingesetzt Wie es beim Modekonzern Escada jetzt weitergeht

Insolvenzexperte Christian Gerloff soll Escada erneut durch die Insolvenz manövrieren: 2009 war das Luxus-Modeunternehmen schonmal pleite. Der Mann ist in der Branche kein Unbekannter.

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Der Münchner Insolvenzexperte Christian Gerloff soll beim Luxus-Modeunternehmen Escada SE retten, was zu retten ist. Das Amtsgericht München bestellte den Partner der Kanzlei Gerloff Liebler Rechtsanwälte heute zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Unternehmens. „Escada gehört zu den wenigen deutschen Modemarken, die weltweit Geltung haben“, sagte Gerloff.

Der operative Geschäftsbetrieb soll nun bis auf Weiteres fortgesetzt werden, teilte der Verwalter mit. Die Gesellschaft werde unverzüglich Verhandlungen über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die betroffenen 180 Mitarbeiter, die in der Zentrale und in acht Stores in Deutschland arbeiten, aufnehmen.

Gestern waren bereits die Mitarbeiter und Geschäftspartner des Unternehmens über den Insolvenzantrag informiert worden. Die Konsequenzen der Covid-19-Pandemie „führen leider dazu, dass die Escada SE heute beim zuständigen Amtsgericht in München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens einreicht“, hieß es in dem Schreiben an die Beschäftigten, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Der Antrag beziehe sich allein auf die Escada SE und nicht auf andere Gesellschaften der Gruppe.

Escada hatte bereits 2009 ein Insolvenzverfahren durchlaufen, bei dem Gerloff im Einsatz war. Damals gelang es dem Insolvenzexperten mit der Unternehmerin Megha Mittal, Schwiegertochter des indischen Stahl-Unternehmers Lakshmi Mittal, schnell eine Käuferin zu finden. Doch auch sie hatte mit dem legendären Modelabel keinen Erfolg und verkaufte das Unternehmen im Herbst 2019 an den US-Finanzinvestor Regent. Es folgte ein Führungswechsel bei dem Aschheimer Unternehmen. Als geschäftsführende Direktorinnen des Escada SE wurden im Februar laut Handelsregister zwei Frauen mit Wohnsitz in Südafrika bestellt.

Ein Sprecher der Escada-Gruppe teilte indes mit, man sei weiter optimistisch, Escada in eine innovative Omnichannel-Luxusmarke transformieren zu können, die in 60 Ländern aktiv sei.

Ob dabei die Escada SE eine Rolle spielt, muss nun Gerloff klären. „Wir werden versuchen, sehr schnell Klarheit zu schaffen über die Zukunftsoptionen, die das Unternehmen als wesentliche Gesellschaft der Escada Gruppe bei realistischer Betrachtung hat“, so Gerloff. Der Jurist verfügt über viel Expertise in der Modebranche und begleitete nicht nur die Insolvenz von Escada 2009, sondern war in unterschiedlichen Funktionen an Verfahren und Restrukturierungen von Bekleidungshändlern und -herstellern beteiligt, darunter Laurèl, Wöhrl, Rena Lange, K&L, Gerry Weber und zuletzt Hallhuber.

Escada ist indes nicht das einzige Modeunternehmen, das unter den Folgen der Coronakrise leidet. Viele Wettbewerber müssen sich derzeit neu aufstellen – und so gut wie kämpften schon vor der Pandemie mit erheblichen Schwierigkeiten.

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