Börsenprofi Markus Zschaber erklärt: Bei Google kommen Substanz und Fantasie zusammen

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Thomas Peter/ REUTERS

Google-Logo vor einem Gebäude in Peking: Der Internetkonzern ist weltweit aktiv.

Google-Mutter Alphabet hat fast überall ihre Finger im Spiel. Für Anleger ist das sehr reizvoll. Die jüngsten Quartalszahlen sollten Investoren aber am besten ignorieren.

Markus Zschaber

„Alphabet verfehlt Gewinnerwartungen.“ Viele Berichte über die letzten Quartalsergebnisse bei der Google-Mutter Alphabet Börsen-Chart zeigen kratzten bestenfalls an der Oberfläche. Ja, der Gewinn fiel mit 7,1 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal geringer aus als mit 8,8 Milliarden US-Dollar erwartet. Doch lässt sich daraus wirklich ein negativer Ausblick konstruieren? Seit Veröffentlichung der Quartalszahlen legte der Kurs der Aktie deutlich zu. Dies zeigt, dass an den Abgesängen rund um Alphabet möglicherweise doch nichts dran sein könnte. Der vor einigen Wochen beklagte Gewinnrückgang ist nämlich keineswegs darauf zurückzuführen, dass Googles Geschäft nicht brummen würde – ganz im Gegenteil.

Viele Start-ups in einem Großkonzern

Der Umsatz machte im vergangenen Quartal einen Satz auf beachtliche 40,5 Milliarden Dollar. Vor allem das Brot-und-Butter-Geschäft mit Internetwerbung floriert. Den Gewinn „verhagelt“ haben dagegen Investitionen in die Zukunft. Selbstfahrende Autos, Drohnen oder neue Technologie rund um Smartphones und seit einiger Zeit auch Biotechnologie – das alles kostet. Uns als Anleger sollte ein Gewinnrückgang, welcher Investitionen geschuldet ist, allerdings nicht aus der Ruhe bringen.

Eher im Gegenteil: Google ist ein Substanzwert mit Fantasie und damit genau das, was viele Investoren suchen. Mit der Suchmaschine, dem Smartphone-Betriebssystem und vielen anderen Diensten besetzt Google zentrale Positionen an wichtigen Technologieschnittstellen. Das Geschäft mit der Onlinewerbung ist zudem robust und sehr einträglich. Dass Google selbst so viele Dienste anbietet und bei Nutzern beliebt ist, zementiert diese starke Position zusätzlich.

Markt traut Alphabet eine Menge zu

Hinzu kommen wagemutige Investitionen in die Zukunft. Alphabet stellt für innovative Ideen Mittel zur Verfügung und ermöglicht es, neue Produkte zu entwickeln und nach und nach zu testen. Dabei ist womöglich nicht immer gleich der große Wurf, doch ist es für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung, auch in ferner Zukunft technologisch konkurrenzfähig zu sein.

Statt sich über Alphabets Gewinnschwund zu ärgern, sollten Investoren lieber die Vielseitigkeit der Aktie hervorheben: Hier kommen eine stete Gewinnentwicklung, technologische Marktführerschaft und Pioniergeist zusammen. Das dürfte deutlich besser sein, als bei windigen Nebenwerten, die oftmals nur ein Zukunftsprodukt im Portfolio haben, alles auf eine Karte zu setzen. Gerade für Privatinvestoren ist es sinnvoll, breit aufgestellt zu sein. Allein mit Alphabet ist der Bereich der Technologie bereits gut abgedeckt. Dies lässt sich auch im Chart ablesen – die stete Entwicklung bildet das Vertrauen ab, das der Markt zu Recht in das Unternehmen hat.

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Alphabet-Aktie bleibt eine gute Wahl

Der Kurs steigt seit Jahren – kurze Erholungsphasen inklusive – wie am Schnürchen. Auch die Zahlen entwickeln sich fast durchweg positiv. Zuletzt übertraf der Konzern im ersten Halbjahr die Erwartungen der Analysten in jeder Hinsicht. Aufgrund des stabilen Werbegeschäfts, des riesigen Datenschatzes und der überragenden Marktposition ist Alphabet aus meiner Sicht ein richtiger Substanzwert. Vor allem die bestehenden Daten könnten in Zukunft zu einem wahren Gewinntreiber werden. Mit neuer Technologie clever kombiniert, werden aus Daten von heute die Schätze von morgen.

Eine Dividende winkt Anlegern zwar nicht, doch hat das Unternehmen fehlende Ausschüttungen stets über den Kurs wieder wettgemacht. Dies dürfte auch in den kommenden Jahren so bleiben. Quartalszahlen-Delle oder nicht, die Aktie von Alphabet ist und bleibt ein vielfältiges Substanz-Investment, ob sie allerdings derzeit etwas zu hoch gelaufen ist, dass sollte der Anleger mit seinem Berater besprechen, bevor er möglicherweise kauft.

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