Einstieg ins Massengeschäft mit Robo-Advisor: Goldman Sachs bückt sich nach Spargroschen der kleinen Leute

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AFP

Goldman Sachs Zentrale in New York

Wer sein Vermögen von Goldman Sachs betreuen lassen will, sollte schon eine Million bis zehn Millionen Dollar Kapital übrig haben: Diese Richtschnur galt über Jahrzehnte, doch unter dem neuen Goldman-Chef David Solomon nimmt die US-Investmentbank auch die kleinen Sparer in den Blick. Bereits im Jahr 2020 soll es möglich sein, dass auch US-Kunden mit einer Geldanlage von lediglich 5000 Dollar zu Goldman-Sachs-Kunden werden: Diese Sparer kommen nicht in den Genuss einer persönlichen Verwaltung, sondern werden mit Hilfe einer von Algorithmen bestimmten Vermögensverwaltung, so genannten Robo-Advisors, betreut.

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Goldman Chef David M. Solomon: Auch mal an die kleinen Leute denken

Goldman Sachs plane die digitale Vermögensverwaltung bereits für das kommende Jahr und will sich damit den Massenmarkt erschließen, wie die Financial Times berichtet. Im Mai hatte Goldman den Vermögensverwalter United Capital für 750 Millionen Dollar übernommen: United-Capital-Gründer Joe Duran bestätigte gegenüber der FT, dass sein Team bereits 2020 einen Robo-Advisor anbieten werde, der Kunden mit einem Einsatz von „5000, 10.000 oder 15.000 Dollar“ eine automatisierte, digitale Vermögensverwaltung erlaube.

Zuvor hatte Goldman bereits die Fintech-App Clarity Money übernommen, die Anlegern in den USA helfen soll, ihre privaten Finanzen zu optimieren. Nach Angaben der Bank steigt die Zahl der Kunden, die Goldman im Massengeschäft bereits bedient, damit sprunghaft an: Etwa 350.000 Kunden zählte Goldman bislang in seiner Online-Retail-Sparte „Marcus“. Mit Clarity Money kommen auf einen Schlag mehr als eine Million weitere hinzu, teilte Goldman Sachs im April mit.

Über den Preis, den Goldman Sachs nun für die Übernahme gezahlt hat, machten die beteiligten Firmen keine Angaben. Dem „Wall Street Journal“ zufolge liegt er jedoch im hohen achtstelligen Bereich. Clarity-Money-Erfinder Adam Dell – Bruder des PC-Unternehmers Michael Dell – erhält zudem den Status eines Goldman-Sachs-Partners – eine Ehre, die nur selten Bank-fremden Personen zuteil wird, wie es in Berichten heißt. Zwei Dutzend weitere Clarity-Money-Mitarbeiter steigen ebenfalls bei Goldman Sachs ein.

Integriert wird Clarity Money in „Marcus“, die Online-Plattform, die Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen 2016 zum Einstieg ins Kredit- und Einlagengeschäft mit Privatleuten gestartet hatte. Nach der Finanzkrise war vor allem das traditionelle Geschäft der Bank im Wertpapierhandel stärker reguliert worden, sodass neue Einnahmequellen gesucht wurden. Erstmals in der beinahe 150-jährigen Unternehmensgeschichte öffnet sich Goldman Sachs seither neben dem Wertpapierhandel, dem traditionellen Investmentbanking sowie der gehobenen Vermögensverwaltung über „Marcus“ auch dem Privatkundengeschäft mit Leuten von geringerer Finanzkraft. „Marcus“, benannt nach Goldman-Sachs-Gründer Marcus Goldman, agiert in den USA ursprünglich vor allem als Anlaufstelle für Kunden, die ihre Kreditkartenschulden umschichten wollen.

mmo

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