Nachfrage steigt, Preis auch: Goldpreisanstieg erfreut Anleger und Schmuckkäufer

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Tamara Abdul Hadi / Reuters


Händler und Juweliere fragen verstärkt Gold nach. Doch Preistreiber sind vor allem andere Faktoren, sagen Experten.

Das Geschäft mit Gold boomt: „In Euro hat der Goldpreis einen Rekordwert erreicht“, sagt Michael Eubel, Leiter des Edelmetallgeschäfts der BayernLB. Derzeit wird die Unze in London für mehr als 1445 Euro (1575 Dollar) gehandelt, so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

Viele Fachleute erwarten, dass der Preis weiter steigt. International maßgeblich ist aber nicht die Notierung in Euro. „Die Welt schaut auf den Goldpreis in Dollar, und da sind wir immer noch etwas mehr als 300 Dollar unter dem Höchststand des Jahres 2011, als eine Unze für rund 1900 Dollar gehandelt wurde“, sagt Eubel.

Negativzinsen treiben Investoren auch verstärkt in Gold

Die Ursache für die gestiegene Attraktivität des Goldes liegt auf der Hand: „Die alles überlagernde Diskussion sind die Negativzinsen“, sagt Benjamin Summa, Sprecher des Münchner Goldhandelshauses Pro Aurum. Die Diskussion hat auch die Kleinsparer erreicht. Nicht nur sie horten einen Großteil ihrer liquiden Mittel auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Rechnet man die Inflation ein, verlieren die Sparer Geld.

Gold habe seit jeher den Ruf einer vergleichsweise sicheren Geldanlage. „Vor dem Jahreswechsel waren wir fast ausverkauft, es gab dramatische Lieferengpässe“, sagt Summa. Allerdings: Gold wirft keine Zinsen ab, und Dividenden werden auch nicht gezahlt. Mit Blick auf die Rendite ist Gold auf lange Sicht Aktien immer noch unterlegen.

Deutsche kaufen pro Jahr rund 100 Tonnen Gold

In Deutschland hat Gold seit jeher einen besonders hohen Stellenwert: „Gemessen an der Bevölkerung ist Deutschland das goldaffinste Land“, sagt BayernLB-Chefhändler Eubel. Pro Jahr kaufen die Deutschen demnach etwa 100 Tonnen des glänzenden Metalls. Und außerdem nennt die Bundesbank die weltweit zweitgrößten Goldreserven ihr eigen, insgesamt über 3300 Tonnen.

Auch Juweliere melden starke Nachfrage, obwohl es bei Schmuck nicht um Renditen und Kurssteigerungen geht. „Goldschmuck ist keine Geldanlage, aber eine werthaltige Investition“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere. „Der steigende Goldpreis führt nicht dazu, dass die Nachfrage zurückgeht, im Gegenteil.“


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Ein wesentlicher Faktor hat mit dem Finanzmarkt nichts zu tun: „Die Zahl der Eheschließungen steigt“, berichtet Dünkelmann. 2018 wurden laut Statistischem Bundesamt mehr als 449.000 Hochzeiten in Deutschland gefeiert, 70.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Und viele junge Paare kaufen nicht nur Eheringe, sondern auch vermehrt Verlobungsringe.

Hohe Nachfrage der Schmuckindustrie habe kaum Einfluss auf Preis

Der Goldmarkt beeinflusst den Schmuckmarkt: Wenn Gold teurer wird, steigen naturgemäß mit gewisser Verzögerung auch die Preise für Goldschmuck. Doch umgekehrt gilt das nicht. „Jährlich werden weltweit etwa 4300 Tonnen physisches Gold nachgefragt“, sagt BayernLB-Fachmann Eubel. „Die Hälfte davon geht an die Schmuckindustrie. Hat das einen Einfluss auf den Preis? Die klare Antwort: Nein.“

Der Grund: „Am Finanzmarkt ist Gold spätestens seit der Finanzkrise eine hochliquide Vermögensklasse“, sagt Eubel. Gehandelt wird Gold ganz überwiegend in elektronischer Form, außerdem sind wie bei anderen Anlageklassen auch Derivate und Fonds aller Art auf dem Markt. „Der rein physikalische Handel macht dabei weniger als ein Prozent aus“, sagt Eubel.

rei/dpa-afx

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