Familienunternehmen: Schaeffler schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus

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Familienunternehmen Schaeffler schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus

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Schaeffler arbeitet an Strukturmaßnahmen, Corona setzt den Autozulieferer unter Druck. Arbeitnehmervertreter rechnen bereits im September mit „Hiobsbotschaften“.

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Das Management von Schaeffler arbeitet aktuell an einem Plan für weitere „Strukturmaßnahmen“. „Die Transformation wird durch Corona nochmal beschleunigt“, sagte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld der WirtschaftsWoche.

Gefragt, ob er betriebsbedingte Kündigungen bei Schaeffler ausschließen könne, antwortet er: „Sollte man in der heutigen Krise etwas ausschließen? Nein!“ Schaeffler operiere aber als „ein langfristig denkendes Familienunternehmen. Wir schauen dabei nicht allein auf die Marge, sondern setzen Strukturmaßnahmen sozialverträglich um.“ Schaeffler werde „weiter mit Augenmaß“ agieren: „Das heißt konkret: Bevor wir ein Werk schließen würden, prüfen wir vorher in jedem Fall, ob es alternative Möglichkeiten gibt“, sagte Rosenfeld der WirtschaftsWoche.

Arbeitnehmervertreter rechneten gegenüber der WirtschaftsWoche bereits im September mit „Hiobsbotschaften“. Denn Anfang Oktober komme der Aufsichtsrat zu seiner jährlichen Strategiesitzung zusammen, hieß es. Sorgen gibt es vor allem um die vielen kleinen Werke in Deutschland, die stark an der Produktion von Teilen für Verbrennungsmotoren hängen.

Das aktuelle Programm, das Beschäftigte zum freiwilligen Ausscheiden motivieren soll, könnte in der Coronakrise nicht ausreichen. Statt wie prognostiziert 90 Millionen Fahrzeuge würden weltweit 2020 deutlich weniger verkauft. „Jetzt gehen wir davon aus, dass es nur 70 Millionen werden. Vereinfacht gesagt heißt das, dass die Branche daher aktuell auf Überkapazitäten von 25 bis 30 Prozent sitzt“, erklärte Rosenfeld. Aktuell laufe sein Freiwilligenprogramm „planmäßig, es wurden in Deutschland bereits alle 1700 Verträge unterzeichnet, die wir erreichen wollten, plus 200 in Frankreich“, sagte Rosenfeld.

Rosenfeld hat zudem seine Pläne für mögliches Wachstum mit den Einnahmen aus der geplanten Kapitalerhöhung konkretisiert. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche sagte er, dass seine M&A-Strategie zwar „keine großen Zukäufe“ vorsehe, sondern „gezielte technologische Ergänzungen“. Es gebe aber „eine Reihe von interessanten Ideen, um unseren Industriebereich zu verstärken“, so Rosenfeld. Um Wachstumsmöglichkeiten sei ihm jedenfalls „nicht bange. Denken Sie zum Beispiel an das Thema Wind, den Bereich Robotik oder das Thema Wasserstoff. Ein Feld, das sowohl für unser Autogeschäft, aber vor allem für die Industriesparte langfristiges Potenzial bietet“, sagte Rosenfeld. „Ich will aber nicht ausschließen, dass es auch in der Automobilsparte einen weiteren Zukauf geben könnte“, ergänzte er.

Im Bereich Elektromobilität solle der Auftragseingang jetzt jährlich zwischen 1,5 und zwei Milliarden Euro pro Jahr liegen, sagte Rosenfeld. „Es stimmt einfach nicht, dass wir das Thema Elektromobilität verpasst haben. Wir haben unseren eigenen Weg bei dem Thema beschritten. Wir setzen dabei auf unsere spezifischen Kompetenzen, die wir in den letzten Jahren aufgebaut und verbreitert haben.“ Das Geschäft in der Sparte E-Mobilität bleibe aber „weiter anspruchsvoll. Es gibt noch lange nicht die Marktzahlen, die wir uns wünschen. Wir haben fest vor, den Unternehmensbereich E-Mobilität profitabel zu machen.“

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