Aktie im Dauertief: Deutsche-Bank-Chef Sewing vor Showdown mit Investoren

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Fabrice Coffrini/ AFP

Herkulesaufgabe und „letzter Schuss“: Kriegt Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing die Kurve?

Kurz vor Jahresende rührt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing noch einmal kräftig die Werbetrommel. Am kommenden Dienstag wollen er und seine Vorstandskollegen die Botschaft verkünden: Der Umbau bei Deutschlands größtem Geldhaus funktioniert! Ob sich die Investoren bei dem Treffen in den Frankfurter Zwillingstürmen davon überzeugen lassen und ob die gebeutelte Aktie profitiert, ist allerdings fraglich. Analysten und Anleger hoffen vor allem auf Hinweise, ob das Geschäft in den einzelnen Sparten besser läuft als im dritten Quartal und ob die Bank ihre Ziele in Sachen Ertragszuwächse und Kostensenkungen erreicht.

„Das Dringendste ist, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, damit man ein paar Knoten schneller fahren kann“, sagt Andreas Thomae, Portfoliomanager bei der zu den Sparkassen gehörenden Deka, einem der größeren Investoren der Bank. „Was die Kosten angeht, scheint die Deutsche Bank gut unterwegs zu sein. Die große Frage ist, ob sie die Erträge wie geplant steigern kann.“

Das Vertrauen der Investoren verspielte die Bank schon wenige Wochen nach der Verkündung des neuerlichen Umbaus im Sommer – denn Finanzchef James von Moltke musste kurz darauf auch die neuen Prognosen schon wieder eindampfen. Bis 2022 erwartet er nun Erträge von 24 bis 25 Milliarden Euro, zunächst war er von „rund“ 25 Milliarden Euro ausgegangen.

Für den seit April 2018 amtierenden Sewing und seine Mannschaft ist der Konzernumbau, dem weltweit 18.000 Jobs zum Opfer fallen, eine Herkulesaufgabe – und nach Meinung von vielen Experten „der letzte Schuss“. Weil die Leitzinsen in der Euro-Zone noch auf Jahre niedrig bleiben, kann das Institut wie viele Rivalen kaum noch Geld im angestammten Spar- und Kreditgeschäft verdienen. Der Wettbewerb um Privat- und Firmenkunden – dem Kerngeschäft der Deutschen Bank – ist enorm und die Risikovorsorge für faule Kredite steigt wegen der schlechteren Konjunkturaussichten. Wegen des Umbaus, der 7,4 Milliarden Euro verschlingen wird, stehen dieses Jahr Verluste in Milliardenhöhe in den Büchern.

US-Banken schnappen lukrative Aufträge weg

Hinzu kommt, dass US-Institute wie JPMorgan den europäischen Häusern lukrative Aufträge im Investmentbanking wegschnappen. Vor allem im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, dem früheren Aushängeschild der Deutschen Bank, mussten die Frankfurter Einbußen hinnehmen. „Im Moment ist noch viel Pulverdampf da von der Umstrukturierung“, sagt Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment. „Wichtig wäre, eine Indikation zu bekommen, wie stark die Bindung zu Firmenkunden und institutionellen Kunden nach dem Rückzug aus dem Aktienhandel noch ist.“ Das Geschäft mit Aktien gibt Sewing komplett auf, der Anleihehandel wird verkleinert.

Auch im Geschäft mit den rund 20 Millionen Privatkunden in Deutschland erwartet Sewing in diesem Jahr Ertragseinbußen. Bei Investoren könnte jedoch gut ankommen, dass die Bank Insidern zufolge ihre „Bank innerhalb der Bank“ abschaffen will. Bei dem Investorentag soll eine Grundsatzvereinbarung verkündet werden, dass die DB Privat- und Firmenkundenbank mit der Konzernmutter verschmolzen werden soll, wie eine mit der Sache vertraute Person sagte. Das würde erhebliche Kosteneinsparungen bringen. Grünes Licht der Finanzaufsicht stehe aber noch aus.

Börsianer bleiben skeptisch

Auch beim Thema Kapital werden die Investoren ihre Ohren spitzen. „2020 wird mit Blick auf die Kapitalquote ein kritisches Jahr“, sagt Thomae. Sewing hat angekündigt, dass die harte Kernkapitalquote (CET1) wegen des Umbaus auf bis zu 12,5 Prozent absinken könnte. „Das ist für eine Bank dieser Größe und Relevanz schon sehr knapp“, macht Annecke deutlich. Wichtig ist nach Meinung der Experten, dass die Deutsche Bank mit dem Verkauf von Wertpapieren aus der internen Abbaueinheit zügig und ohne größere Verluste vorankommt. Erst vor wenigen Tagen kaufte die US-Bank Goldman Sachs den Frankfurter Papiere im Volumen von 50 Milliarden Dollar ab.

Manche Investoren sind skeptisch, ob die Maßnahmen reichen, den größten Umbau in der fast 150-jährigen Firmengeschichte ohne eine weitere Kapitalerhöhung zu stemmen. Seit 2010 hat sich die Bank von ihren Anteilseignern bereits mehr als 26 Milliarden Euro besorgt. Bei dem aktuellen Kurs von 6,37 Euro – knapp über dem im Sommer erreichten Rekordtief von 5,77 Euro – wäre eine erneute Bitte um frisches Geld jedoch kaum durchzusetzen. Heute ist die Deutsche Bank an der Börse gerade noch 13 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Die US-Rivalin JPMorgan kommt auf umgerechnet 370 Milliarden Euro.

Selbst wenn es Sewing und seinen Kollegen am Dienstag gelingen sollte, positive Stimmung zu verbreiten, dürfte das an der Börse schnell verpuffen. „Die Misere bei der Deutschen Bank ist nicht nur hausgemacht, sondern auch strukturell“, sagt Chefhändler Stefan de Schutter vom Brokerhaus Alpha Trading. „Wenn der Kurs hoch gehen sollte, dann für bestenfalls ein paar wenige Tage.“

cr/rtr

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