Demo gegen Lukaschenko: Fast 800 Festnahmen bei Protesten in Weißrussland

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Demo gegen Lukaschenko Fast 800 Festnahmen bei Protesten in Weißrussland

Der Staat geht weiter gegen die regierungskritischen Proteste vor. Derweil trifft sich Amtsinhaber Lukaschenko zu Beratungen mit Wladimir Putin.

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Die weißrussische Polizei hat bei den landesweiten Massenprotesten am Sonntag 774 Menschen festgenommen. Allein 500 von ihnen seien in der Hauptstadt Minsk in Gewahrsam genommen worden, teilte das Innenministerium am Montag mit.

Mindestens 100.000 Menschen hatten in Minsk gegen Präsident Alexander Lukaschenko demonstriert und die Freilassung in Haft genommener Oppositioneller verlangt. Lukaschenko selbst flog zu Beratungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ins südrussische Sotschi. Dort landete er am Morgen, wie Aufzeichnungen der Flugzielverfolgung zeigten.

Seit sich der autoritär regierende Lukaschenko Anfang August zum Wahlsieger erklärt hat, reißen die Proteste nicht ab. Die Präsidentenwahl ist auch international umstritten, so erkennt die Europäische Union sie nicht an. Kritiker werfen Lukaschenko Wahlbetrug vor und verlangen seinen Rücktritt. Er weist die Vorwürfe zurück und hat erklärt, hinter den Protesten stünden ausländische Kräfte.

In Sotschi am Schwarzen Meer bemüht sich Lukaschenko um Unterstützung des mächtigen Nachbarn. Der weißrussische Präsident erlebt die schwerste Krise in seiner 26 Jahre währenden Amtszeit.

Die Sicherheitskräfte gehen massiv gegen die Opposition vor, etliche ihrer Führungspersönlichkeiten wurden inhaftiert, darunter Maria Kolesnikowa. Andere wie Swetlana Tichanowskaja, die die Demonstranten als wahre Wahlsiegerin ansehen, haben sich im Ausland in Sicherheit gebracht.

Wirtschaftliche und militärische Hilfe aus Russland könnte Lukaschenko helfen, am Ruder zu bleiben. Putins bisherige Reaktion deutet darauf hin, dass er keinen Sturz seines Amtskollegen durch den Druck der Straße wünscht. So erklärte Putin im August, er habe auf Lukaschenkos Wunsch Reserve-Polizeikräfte bereitgestellt, die notfalls zum Einsatz kommen könnten.

An diesem Montag will Russland zudem Spezialisten einer Fallschirmjäger-Division nach Weißrussland schicken. Sie sollen gemeinsam mit dem dortigen Militär bis zum 25. September Übungen abhalten und danach nach Russland zurückkehren. Außerdem hat Russland abgeboten, die weißrussischen Schulden umzuschichten und das Bankensystem zu unterstützen. Der Preis, den Weißrussland für eine solche Hilfe zu zahlen hätte, wäre ein größerer Einfluss Russlands.

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