Börse: Chinas Börsen brechen ein, Dax kämpft um 13.000 Punkte

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An Chinas Börsen in Shanghai und Shenzen wird nach dem Neujahrsfest wieder gehandelt – und die Indizes brechen wie erwartet ein. Der Dax startet dagegen nach dem Ausverkauf der Vorwoche einen Stabilisierungsversuch und erobert zunächst die Marke von 13.000 Punkten zurück.

Das Coronavirus dürfte die Börsen auch in der neuen Woche beshäftigen. Die Lungenkrankheit breitet sich noch immer rasant aus. Die Zahl der Infizierten ist am Sonntag über die Marke von 14.000 gestiegen, die Zahl der Todesopfer auf mehr als 350. In China sind inzwischen mehr Menschen durch daran verstorben als an der Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Infektionen und Todesfälle steigen weiter an. An Chinas Börsen wird nach der virusbedingt verlängerten Feiertagspause wieder gehandelt – mit dem erwarteten Kursrutsch zum Auftakt. Die Börsen in Shanghai und Shenzen gaben am Montag jeweils rund 9 Prozent nach.

Der Kursrutsch war erwartet worden. An den Börsenplätzen Shanghai und Shenzen war seit dem 23. Januar wegen des chinesischen Neujahrsfestes nicht gehandelt worden. Während dieser Pause gab Südkoreas Kospi-Index knapp 6 Prozent nach, der Hang Seng in Hong Kong verlor ebenfalls knapp 6 Prozent. Nun hole die chinesischen Indizes diese Verluste nach.

Die chinesische Notenbank versucht derweil zu stützen, und griff dem Finanzsystem des Landes neben einer Geldspritze auch mit einer begrenzten Zinssenkung unter die Arme.

Dax kämpft um 13.000 Punkte Marke

Der Dax setzt unterdessen zu einer Stabilisierung an: Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex rund zwei Stunden vor dem Start 0,2 Prozent höher auf 13 015 Punkte. Der Dax
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kämpft in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal um die runde Marke von 13 000 Punkten. Der Index in der vergangenen Woche knapp 4 Prozent eingebüßt und ist auf den tiefsten Stand seit etwas mehr als drei Wochen gefallen. In der Woche zuvor war er mit 13.640 Punkten noch auf ein Rekordhoch geklettert.

Wie sehr sich dies in der Realwirtschaft und somit in den Gewinnen der Unternehmen niederschlägt, ist selbst für Experten nur schwer einzuschätzen. Aktien als vergleichsweise risikoreiches Investment tun sich in diesem Umfeld jedenfalls schwer.

Siemens Healthineers brechen ein

Aus Unternehmenssicht steht die Berichtssaison weiter im Anlegerfokus. Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers startete mit einem Gewinnrückgang ins neue Geschäftsjahr. Grund waren sinkende Ergebnisse in der Diagnostiksparte sowie im Geschäft mit der Bildgebung. Die Zahlen lagen unter den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Den Umsatz steigerte Siemens Healthineers hingegen und bestätigte den Ausblick. Die Aktien verloren zuletzt 6 Prozent.

Wirecard im Blick: Konkurrent plant Milliardenfusion

Die Wirecard-Anteilsscheine reagierten auf Tradegate mit einem Verlust von 1,7 Prozent auf eine geplante Milliardenfusion in der Bezahlbranche. Der französische Zahlungsabwickler Worldline will seinen heimischen Rivalen Ingenico übernehmen. Die Verwaltungsräte beider Seiten stimmten dem Deal bereits zu.

Bayer-Prozess wird erneut verschoben

Die Bayer-Titel stiegen auf Tradegate um 0,5 Prozent. In den USA wurde ein weiterer wichtiger Prozess gegen den Agrochemiekonzern wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter verschoben. Die Streitparteien hätten sich auf eine Vertagung der Gerichtsverhandlung geeinigt, um mehr Zeit für Vergleichsgespräche zu gewinnen, hieß es. Vor einer Woche war bereits ein ähnliches Verfahren in St. Louis mit der gleichen Begründung verschoben worden.

Gold gefragt – und Bitcoin

Dagegen verzeichnen die so genannten „sicheren Häfen“ wie Gold oder der Schweizer Franken deutliche Kursgewinne. Deutlich nach oben ging es zuletzt auch für die Cyberwährung Bitcoin, die sich nun wieder der Marke von 9000 US-Dollar nähert. Die weltweite Unsicherheit und der schwache Dollar verstärken die Nachfrage nach Bitcoin: Die Kryptowährung hat während der vergangenen zwei Wochen zweistellig zugelegt.

Bei vergleichbaren Epidemien in der Vergangenheit hätten sich die Börsen stets dann wieder erholt, wenn die Zahl der Ansteckungen und der Nachrichten darüber den Höhepunkt erreicht hatten, sagte Aktienstratege Mixo Das von der Investmentbank JPMorgan. Sollte das Virus weiter grassieren, dürften vor allem diejenigen Branchen darunter leiden, deren Geschäfte auf „sozialer Interaktion“ basieren. Dazu zählten Fluggesellschaften, Reiseveranstalter, Hotelbetreiber und der Einzelhandel.

Aber auch die deutsche Autobranche dürfte unter einer schwächeren Nachfrage auf dem wichtigen Absatzmarkt China leiden. In den vergangenen drei Wochen büßte der europäische Autosektor bereits mehr als zehn Prozent ein.

In vielen Marktkommentaren finden sich Vergleiche mit der Sars-Epidemie im Jahr 2003. Diese könnten aber hinken, wie der Ökonom Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank meint. Denn die Weltwirtschaft sei heute erheblich abhängiger von China als seinerzeit. Der Anteil der Volksrepublik an der globalen Wertschöpfung habe sich seit 2003 in etwa vervierfacht. „Die Stabilität der Finanzmärkte und der Konjunktur könnte in Gefahr geraten“, warnte der Experte.

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise haben am Montag zunächst nur wenig auf die erheblichen Börsenturbulenzen in China reagiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 56,34 US-Dollar. Das waren 28 Cent weniger als am Freitag. Allerdings fand von Freitag auf Montag ein Wechsel des marktrelevanten Terminkontrakts statt, was – verglichen mit dem ausgelaufenen Kontrakt – einen deutlicheren Preisabschlag zur Folge hat. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI stieg dagegen leicht um sechs Cent auf 51,62 Dollar.

In China öffneten die Finanzmärkte erstmalig seit den verlängerten Ferien zum chinesischen Neujahresfest. Die Börsen gaben stark nach, der Yuan stand erheblich unter Druck. Grund ist die rapide Verbreitung des neuartigen Coronavirus in China. Auf den Rohölmarkt sprangen die Marktturbulenzen zunächst aber nicht über.

Unterdessen berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf informierte Personen, dass die chinesische Erdölnachfrage infolge des teilweisen wirtschaftlichen Stillstands wegen des Virus stark gefallen sei. Die Rede ist von einem Nachfragerückgang um etwa zwanzig Prozent. Für den Ölmarkt wäre ein solcher Einbruch außergewöhnlich. Er würde auch Folgen für das Ölkartell Opec bedeuten, das sich seit Jahresbeginn ohnehin mit fallenden Ölpreisen konfrontiert sieht.

la/cr/mmo

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