Börse: Atempause nach dem Jahreshoch

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Frank Rumpenhorst/DPA

Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt

Nach dem Jahreshoch vom Vortag sind Deutschlands Anleger am Mittwoch vorsichtiger unterwegs. Vor dem Brexit-Gipfel dümpeln auch Euro und Pfund zunächst vor sich hin.

Am Tag vor dem Brexit-Gipfel der EU dürften sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt nicht weit aus dem Fenster lehnen. Nach dem deutlichen Sprung über 12.500 und 12.600 Punkte vom Vortag taxierte der Broker IG den deutschen Leitindex rund zwei Stunden vor dem Auftakt 0,16 Prozent tiefer auf 12.610 Punkte.

Mit 12.682 Punkten war der Dax am Dienstag zeitweise auf den höchsten Stand seit August vergangenen Jahres geklettert. Dieses Niveau konnte er jedoch nicht halten und fiel im späten Handel auch wieder unter das Zwischenhoch vom Juli zurück.

Der Start in die US-Berichtssaison fiel recht gut aus. Im Verhältnis zwischen China und den USA kam jedoch wegen eines im amerikanischen Abgeordnetenhaus angenommenen Gesetzentwurfs zur Unterstützung von Demokratie und Bürgerrechten in Hongkong Missstimmung auf. Dies könnte auch die zuletzt für Optimismus sorgenden Handelsgespräche wieder belasten. Auch im Brexit-Streit zwischen der EU und Großbritannien müssen die Anleger weiter auf einen Durchbruch warten.

Die EU und Großbritannien verhandeln fieberhaft weiter, um eine Einigung über die künftigen Beziehungen zu erzielen. Börsianer sind allerdings skeptisch, ob ein Deal auch das britische Unterhaus passieren würde.

Unter den Einzelwerten stehen die Aktien von Wacker Chemie nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung des Spezialchemie-Unternehmens im Fokus. Wacker strich wegen schwacher Polysilizium-Preise seine Jahresziele zusammen und bereitet ein Sparprogramm vor. Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten schlecht an, obwohl ein Händler die Warnung als „offenes Geheimnis“ bezeichnete. Die Wacker-Aktie verlor auf der Handelsplattform Tradegate mehr als 8 Prozent an Wert im Vergleich zum Xetra-Schluss.

Die Anteilscheine von Infineon verbilligten sich auf Tradegate um knapp 2 Prozent. Analyst Aleksander Peterc von der Societe Generale hatte sie von „Hold“ auf „Sell“ abgestuft. Er reduzierte seine Gewinnprognosen für den Halbleiterkonzern der Jahre 2020 bis 2023.


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Euro, Pfund und Ölpreis wenig verändert

Der Euro hat sich am Mittwoch im frühen Handel zunächst wenig verändert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1030 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1007 Dollar festgelegt.

Zur Wochenmitte stehen zum einen einige Konjunkturdaten auf dem Programm, die bei Anlegern für Interesse sorgen dürften. Im Euroraum werden Inflationsdaten veröffentlicht, die für die Geldpolitik der EZB mit ausschlaggebend sind. In den USA stehen Umsatzzahlen aus dem Einzelhandel an, die einen Eindruck über den Zustand des privaten Konsums vermitteln. Dieser ist für die US-Wirtschaft besonders wichtig.

Daneben spielen politische Entwicklungen nach wie vor eine große Rolle. Am Dienstag hatte das britische Pfund von Berichten über Fortschritte in den Brexit-Verhandlungen profitieren können. Außerdem achten Marktteilnehmer auf die Entwicklung des Handelsstreits zwischen den USA und China. Auch hier gab es zuletzt etwas Fortschritt, von einem Durchbruch kann aber noch keine Rede sein.

Die Ölpreise haben sich am Mittwochmorgen zunächst kaum von der Stelle bewegt. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 58,86 US-Dollar. Das waren 12 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ebenfalls geringfügig auf 52,88 Dollar.

Seit Wochenbeginn haben die Erdölpreise um rund drei Prozent nachgegeben. Am Markt werden dafür zwei Hauptgründe genannt. Zum einen verdüstern sich allgemein die Aussichten für die Weltwirtschaft, was auf den Erwartungen für die globale Ölnachfrage lastet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte am Dienstag von einer breiten Wachstumsverlangsamung gesprochen und seine Konjunkturprognosen gesenkt.

Hinzu kommen Bedenken, ob sich die USA und China in ihrem Handelsstreit einigen können. Zuletzt gab es zwar etwas Fortschritt, ein Durchbruch ist aber noch nicht in Sicht. Der Disput um Handelsschranken, geistiges Eigentum und Staatsinterventionen gilt als eines der größten Wachstumsrisiken für die Weltwirtschaft.

luk / dpa, Reuters

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