Börse: Anleger verschnaufen nach Dax-Kurssprung

0/50 Bewertungen

Hoffnungen im Handelsstreit und ein neues Führungsduo bei SAP hatten den Dax am Freitag springen lassen. Zur neuen Woche holen die Anleger nun erst einmal Luft.

Nach der Rally vom Freitag dürfte sich der deutsche Aktienmarkt zum Wochenstart eine Auszeit gönnen. Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex Dax signalisierte knapp eine Stunde vor Eröffnung ein Minus von 0,31 Prozent auf 12 473 Punkte. Neue Zuversicht im US-chinesischen Handelskonflikt und ein Kurssprung bei SAP hatten den Leitindex am Freitag um fast 3 Prozent nach oben und erstmals seit Juli wieder über 12.500 Punkte katapultiert. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx steuert am Montag auf einen rund 0,4 Prozent niedrigeren Handelsbeginn zu.

„Die Anleger atmen heute erst einmal durch und bewerten die aktuelle Situation“, erklärte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Anschlusskäufer seien auf diesem Niveau aber wohl zunächst schwierig zu finden, auch wenn sich die Handelsgespräche mit China in die richtige Richtung bewegten. Aktuell sehr schwache Außenhandelsdaten belegten derweil, wie wichtig ein Handelsdeal für die Chinesen sei.

Ein Händler rechnet mit einer gewissen Ernüchterung vieler Anleger in puncto Brexit, da sich die hohen Erwartungen vom Freitag am Wochenende nicht bestätigt hätten. Im Ringen um einen geordneten EU-Austritt Großbritanniens Ende Oktober gelang noch kein Durchbruch. Die Verhandlungen am Samstag und Sonntag nannte die EU-Kommission konstruktiv, betonte aber auch: „Es bleibt noch eine Menge Arbeit zu tun.“ Ein britischer Regierungssprecher äußerte sich ganz ähnlich. Die Verhandlungen werden am Montag fortgesetzt.

Am Donnerstag war nach einem Treffen des britischen Premierministers Boris Johnson mit seinem irischen Kollegen Leo Varadkar Bewegung in den Brexit-Streit gekommen. Nach EU-Angaben hat London Zugeständnisse bei der Frage in Aussicht gestellt, wie Zollkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland vermieden werden können.

Aus Branchensicht könnten Autowerte – vor allem Daimler und Volkswagen – einen Blick wert sein. Zum dritten Mal binnen kurzer Zeit muss Daimler wegen einer unzulässigen Abgastechnik Tausende Diesel-Autos zurückrufen. Einen entsprechenden Rückrufbescheid habe das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erlassen. Die Rede war von einer mittleren sechsstelligen Anzahl Mercedes-Benz-Fahrzeugen in Europa, die mit einem Euro-5-Dieselmotor unterwegs sind. Auf der Handelsplattform Tradegate verloren die Daimler-Aktien im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs vom Freitag zuletzt rund 0,6 Prozent.

Die VW-Vorzugsaktien sanken auf Tradegate um rund 0,5 Prozent. Der Autokonzern dementierte einen Medienbericht über bestehende strategische Optionen für seine italienische Sportwagentochter Lamborghini. „Es gibt keine Pläne für einen Verkauf oder ein IPO von Lamborghini. Die Spekulationen entbehren jeder Grundlage“, teilte ein VW-Sprecher am Sonntag mit. Am Freitagabend hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise ebendies berichtet. Zudem sagte VW-Chefstratege Michael Jost der „Automobilwoche“, man wolle bis 2024 ein Elektroauto für unter 20 000 Euro auf den Markt bringen.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick.


Die Teileinigung im Handelsstreit hat die Börsen Asiens zum Wochenstart angetrieben. Dass sich der vor dem Hintergrund des Handelskriegs mit den USA Chinas Außenhandel im September schwächer entwickelte als erwartet, trübte die die Stimmung der Anleger angesichts der Fortschritte im Zollstreit kaum merklich. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen und er der Hang-Seng-Index in Hongkong stiegen jeweils um mehr als ein Prozent. Der japanische Nikkei-225 legte um fast ein Prozent zu.

Euro gibt nach

Der Euro hat am Montag etwas nachgegeben. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1030 US-Dollar und damit etwas weniger als am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs vor dem Wochenende auf 1,1043 Dollar festgelegt.

Zum Wochenstart stehen nur wenige Konjunkturdaten an, die an den Märkten für Bewegung sorgen könnten. Allenfalls Industriedaten aus der Eurozone dürften im Tagesverlauf für Aufmerksamkeit sorgen. Zudem äußern sich im Währungsraum einige ranghohe Notenbanker.

An den Finanzmärkten stehen nach wie vor die Handelsverhandlungen zwischen den USA und China sowie das Tauziehen um den Ende Oktober anstehenden EU-Austritt Großbritanniens im Mittelpunkt. In beiden Fällen hat es zuletzt Anzeichen für eine Entspannung gegeben.

Stärkerer Dollar lässt Ölpreise fallen

Die Ölpreise sind zu Beginn der Woche leicht gefallen. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 60,20 US-Dollar. Das waren 31 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 36 Cent auf 54,34 Dollar.

Am Markt wurde der etwas stärkere US-Dollar als ein Grund für die geringeren Rohölpreise genannt. Da Erdöl in weiten Teilen der Welt in der amerikanischen Währung gehandelt wird, lastet ein steigender Dollar auf der Nachfrage aus Ländern außerhalb des Dollar-Raums. Das wiederum sorgt häufig für Preisdruck am Rohölmarkt.

Gestützt wurden die Ölpreise dagegen zuletzt durch Hoffnungsschimmer im US-chinesischen Handelskonflikt und dem Brexit. Beide Dispute gelten als mitentscheidend für die globale Konjunkturentwicklung und damit auch für die Erdölnachfrage.

Allerdings ringen die Europäische Union und Großbritannien weiter um den entscheidenden Durchbruch. Zweitägige Gespräche am Wochenende seien konstruktiv gewesen, erklärte die EU-Kommission am Sonntagabend. Aber: „Es bleibt noch eine Menge Arbeit zu tun.“ Die Verhandlungen würden am Montag fortgesetzt.

luk / dpa-afx

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*