Börse: Die Anleger kommen zurück

0/50 Bewertungen

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben die jüngsten geopolitischen Spannungen ein Stück weit verdaut. Der Dax schloss am Dienstag fest im Plus bei 13.226 Punkte. Gefragt waren besonders die Titel von Infineon. Die Ölpreise rutschten wieder ab.

Europas Anleger nutzen die jüngsten Kursverluste nach der Zuspitzung des Konflikts USA/Iran zum Wiedereinstieg an der Börse. Für Erleichterung sorgte, dass die Islamische Republik nach der Tötung des Generals Kassem Soleimani durch die USA zunächst keine US-Ziele angriff.

Der Dax legte am Dienstag um 0,8 Prozent zu auf 13.226 Zähler, der EuroStoxx50 gewann 0,3 Prozent auf 3763,09 Zähler. Der MDax rückte um 0,33 Prozent auf 28.287 Punkte vor. In den USA notierten zum Handelsschluss in Deutschland die Kurse dagegen kaum verändert. Wegen des zugespitzten Konflikts zwischen den USA und dem Iran war der Dax zu Wochenbeginn noch auf ein Vierwochentief gefallen.

„Der Iran-Konflikt sorgt zwar weiterhin für Sorgenfalten bei den Anlegern, doch das Ausbleiben ernsthafter Vergeltungsmaßnahmen lässt womöglich auch darauf hoffen, dass ein kriegerischer Konflikt ausbliebt“, sagte David Iusow, Marktanalyst beim Brokerhaus DailyFX.

Der Iran kündigte gleichwohl Rache für die Tötung Soleimanis an. Unter Berufung auf einen hochrangigen Sicherheitsbeamten berichtete die Agentur Fars, die Islamische Republik prüfe 13 Vergeltungsszenarien. Der Iran liegt an der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Öltanker-Routen.

Der Iran sei auf die Deviseneinnahmen aus seinen Ölexporten angewiesen, sagte Rohstoff-Experte Lachlan Shaw von der National Australia Bank. Deswegen würde es seinen Interessen zuwiderlaufen, die Straße von Hormus zu blockieren. Marija Veitmane, Strategin bei dem Finanzdienstleister State Street, verwies zudem auf die hohen Öl-Lagerbestände sowie die Förderung von Schieferöl in den USA. Damit könnten kurze Unterbrechungen ausgeglichen werden.

Ölpreis fällt zurück, Brexit-Abstimmung lastet auf Pfund

Der Ölpreis gab nach, Nordseeöl der Sorte Brent und leichtes US-Öl verbilligten sich in der Spitze um jeweils 1,8 Prozent auf 67,65 beziehungsweise 62,11 Dollar. Am Montag war der Brent-Preis auf mehr als 70 Dollar gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit den Angriffen auf saudi-arabische Ölanlagen im September.

Vor der Abstimmung des britischen Parlaments über das Brexit-Abkommen gab das Pfund bis zu 0,6 Prozent nach auf 1,3093 Dollar. Die Parlamentarier haben nun drei Tage Zeit, um über den Austrittsvertrag zu beraten, bevor sie am Donnerstag darüber entscheiden. Es wird damit gerechnet, dass die Konservativen mit ihrer Mehrheit von 80 Sitzen für den Vertrag stimmen und damit den Weg für den EU-Austritt Großbritanniens am 31. Januar frei machen.

Bei den Einzelwerten glänzte vor allem der Tech-Sektor. Chiphersteller Infineon
Börsen-Chart zeigen
war mit einem Plus von fünf Prozent größter Gewinner im Dax. Der Tech-Index legte 1,4 Prozent zu. Ermutigende Geschäftszahlen des US-Unternehmens Microchip Technology
Börsen-Chart zeigen
ermunterten Anleger zum Einstieg. Analyst Brian Colello vom Research-Haus Morningstar schrieb, er rechne damit, dass Microchip und vielleicht auch die Konkurrenten im laufenden Quartal die Talsohle der Branchenkonjunktur hinter sich lassen werden.

Auch der Automobil-Sektor verbuchte Kursgewinne, nachdem der britische Autohersteller Rolls-Royce einen Umsatzsprung für das vergangene Jahr vermeldete. Enttäuschende Gewinnzahlen brockten dagegen dem britischen Sportwagenbauer Aston Martin einen Kursrutsch von 16,5 Prozent ein.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Die Anleger wurden am Dienstag wieder vorsichtiger. Die Sorgen mit Blick auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran traten wieder stärker in den Blick des Devisenmarktes. Bei einer Massenpanik während des Trauerzugs für den von den USA getöteten iranischen General Ghassem Soleimani waren in der Stadt Kerman mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen.

Profitiert hat von der wieder gestiegenen Verunsicherung der als sicher geltende Dollar. Er legte zu allen wichtigen Währungen zu. Aber auch der Kurs des japanischen Yens stieg.

Am Nachmittag profitierte der Dollar zudem von robusten Konjunkturdaten aus den USA. So hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im Dezember stärker aufgehellt als erwartet. Der sogenannte ISM-Index signalisiert ein robustes Wachstum für den größten Sektor der US-Wirtschaft.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85183 (0,85215) britische Pfund, 121,15 (121,02) japanische Yen und 1,0850 (1,0850) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1569 Dollar gehandelt. Das waren knapp vier Dollar mehr als am Vortag

mit Nachrichtenagenturen

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*