Spannungen zwischen USA, Iran und Irak: Anleger flüchten in „sichere Häfen“

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Ebrahim Noroozi/ AP


Trauerzug für den getöteten iranischen General Qasem Soleimani. Der Dax fällt am Montag unter die Marke von 13.000 Punkten, Goldpreis und Ölpreis ziehen deutlich an

Der Dax gibt zum Wochenstart weiter nach und fällt zwischenzeitlich unter die Marke von 13.000 Punkten. Die Spannungen zwischen Iran, Irak und den USA treiben Anleger aus dem Aktienmarkt. Im Dax leiden vor allem Unternehmen aus konjunkturempfindlichen Branchen.

Aus Furcht vor einem weiteren Golfkrieg bringen Anleger ihr Geld in Sicherheit. Sie zogen sich am Montag weiter aus den Aktienmärkten zurück und flohen in „sichere Häfen“ wie Gold, dessen Preis zeitweise auf den höchsten Stand seit fast sieben Jahren stieg. Auch der Ölpreis zog an. Der Dax Börsen-Chart zeigen rutschte dagegen zeitweise wieder unter die Marke bei 13.000 Punkten und notierte mit 13.049 Zählern 1,3 Prozent im Minus. Der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen büßte 0,9 Prozent auf 3738 Zähler ein. In den USA signalisierten die Futures ebenfalls Kursverluste. Der MDax der mittelgroßen deutschen Werte gab um 1,56 Prozent auf 28 008,48 Punkte nach.

Nach der gezielten Tötung eines iranischen Generals im Irak durch die USA droht die Islamische Republik mit Vergeltung. Auf die Verschärfung der Spannungen reagierte US-Präsident Donald Trump mit weiteren Drohungen: Die USA würden „schwere Vergeltung“ üben, wenn es zu iranischen Racheakten komme, sagte Trump. Auch iranische Kulturstätten seien davor nicht sicher.

Analyst sieht weiter steigende Ölpreise

„Angesichts dieser Nachrichtenlage ist der Weg für einen weiteren Anstieg der Ölpreise vorgezeichnet, auch wenn es bislang noch nicht zu Angebotsausfällen gekommen ist“, sagte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Mit mehr als 70 Dollar je Barrel (159 Liter) kostete Nordseeöl der Sorte Brent so viel wie seit dem Angriff auf saudiarabische Ölanlagen im September nicht mehr.

„Sollte der Irak ins Chaos stürzen, könnten bis zu vier Millionen Barrel pro Tag gefährdet sein“, sagte Fritsch weiter. Eine derart große Menge könnte auch von Saudi-Arabien nicht aufgefangen werden. Saurabh Lele, Rohstoffanalyst bei der US-Fondsgesellschaft Loomis Sayles, hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass es zu einer größeren Störung der Ölförderung kommt. „Wir erwarten nicht, dass die iranische Führung etwas Drastisches wie die Schließung der Straße von Hormus versuchen wird, da dies den Schauplatz des Konflikts unnötigerweise in die Nähe des Iran verlagern und die Welt gegen ihn vereinen würde.“ Dennoch dürften Investoren eine höhere Risikoprämie verlangen.

Luftfahrtaktien fallen, Öl-Titel steigen

Der höhere Ölpreis lastete auf den Aktien der Fluggesellschaften, weil für sie Treibstoff der größte Kostenfaktor ist. Die Aktien von Lufthansa Börsen-Chart zeigen, Air France-KLM Börsen-Chart zeigen und der British Airways-Mutter IAG Börsen-Chart zeigen büßten bis zu 5 Prozent ein. Die Titel der Ölkonzerne BP, Shell Börsen-Chart zeigen und Total Börsen-Chart zeigen stiegen dagegen bis zu 2,3 Prozent.

Auch tendenziell konjunkturempfindlichere Aktien gaben ab: Die Titel des Chipherstellers Infineon Börsen-Chart zeigen fielen um 3 Prozent, jene des Chemiekonzerns Covestro Börsen-Chart zeigen waren mit einem etwa 5-prozentigen Abschlag das Dax-Schlusslicht.

Im MDax entwickelten sich die Papiere von Telefonica Deutschland (O2) Börsen-Chart zeigen nach einer Kaufempfehlung der HSBC-Analysten mit einem Kursplus von einem halben Prozent freundlich. Metro Börsen-Chart zeigen dagegen litten im MDax mit minus 5,2 Prozent unter einem negativen Votum der Bernstein-Experten.

Aus Furcht vor rückläufigen Öl-Einnahmen sicherten sich Anleger verstärkt gegen einen Zahlungsausfall Saudi-Arabiens ab. Die Versicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets saudiarabischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich auf 64.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Vor der Tötung des iranischen Generals lagen die Kosten bei 55.000 Dollar. Parallel dazu zogen sich Investoren aus Anleihen zurück. Das trieb die Rendite der jeweils bis 2049 laufenden Titel des Königreichs und des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco auf 4,035 und 3,874 Prozent.


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Asiens Börsen unter Druck

Die drohende Eskalation der Lage in Nahost hat die Anleger auch an den Börsen Asiens am Montag vorsichtig gestimmt. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen trat zuletzt unter dem Strich nahezu auf der Stelle. In Hongkong fiel der Hang Seng zuletzt um mehr als ein halbes Prozent. Der japanische Leitindex Nikkei schloss mit 23.204,86 Punkten und damit fast zwei Prozent im Minus.

Euro stabilisiert sich

Der Euro hat sich am Montag nach den Kursturbulenzen zu Beginn des Jahres vorerst stabilisiert. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1160 US-Dollar gehandelt und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1147 Dollar festgesetzt.

Die jüngste Zuspitzung der Lage im Nahen Osten bleibt das bestimmende Thema am Devisenmarkt. Am Morgen konnte der Schweizer Franken im Handel mit allem wichtigen Währungen zulegen. Auch der japanische Yen zählte zu den Gewinnern. Beide Währungen werden von Investoren als sichere Anlagehäfen geschätzt.

„Die Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran lässt die Risikoaversion an den Finanzmärkten schon wieder ansteigen“, kommentierte Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank die Lage. Ihrer Einschätzung nach dürfte sich US-Präsident Donald Trump im Wahljahr gegenüber seiner Wählerschaft gut verkaufen wollen. „Leider spricht das für weiterhin unruhige Zeiten und erhöhte Unsicherheit an den Finanzmärkten, die immer mal wieder die Flucht in sichere Häfen schüren können.“

mit Nachrichtenagenturen

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