USA-Iran-Konflikt belastet Börsen: Dax schwach, US-Rüstungsfirmen gefragt

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Die Furcht vor einer massiven Ausweitung des Konflikts am Golf vertreibt die Anleger. Der Dax verliert am Freitag in der Spitze rund 2 Prozent oder mehr als 250 Punkte. Die Ölpreise steigen rasant, ebenso der Bitcoin. Aktien der Lufthansa verlieren bis zu 8 Prozent. BMW, VW und Daimler zählen ebenso zu den großen Verlierern.

Nachdem der Dax am ersten Handelstag des neuen Jahres noch in Richtung Rekordhoch geschnellt war, folgte tags darauf der Schock: Die verschärften Spannungen zwischen den USA und dem Iran nach der Tötung eines ranghohen iranischen Generals durch das US-Militär haben den deutschen Leitindex in die Tiefe gerissen.

Aus Furcht vor einer weiteren Eskalation der Spannungen in der Golf-Region zogen Dax-Anleger die Reißleine und trennten sich von Aktien. Der Dax
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notierte am Freitag in der Spitze rund 2 Prozent oder 260 Punkte im Minus. Am frühen Nachmittag konnte der Index das Minus auf etwa 1,3 Prozent reduzieren. Der MDax der mittelgroßen Werte fiel am Freitagnachmittag um 0,73 Prozent auf 28.398,57 Punkte. In Europa verlor der EuroStoxx 50 zuletzt rund 0,7 Prozent.

Investoren suchten nach sicheren Anlagehäfen und griffen zu Gold, Staatsanleihen und dem japanischen Yen. Außerdem fürchten Anleger eine Unterbrechung des Rohöl-Nachschubs, was mit einem Plus von 3,5 Prozent zum größten Anstieg des Ölpreises seit vier Monaten führte.

Auch an der Wall Street versetzte der US-Angriff die Anleger in Unruhe. Kurz nach Handelsstart standen der Dow und der S&P 500 0,8 beziehungsweise 0,7 Prozent im Minus. Der Preissprung beim Öl half hingegen Aktien der Ölkonzerne: Exxon Mobil
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Chevron
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sowie BP, Shell Börsen-Chart zeigen und Total Börsen-Chart zeigen zogen um bis zu 1,5 Prozent an.

Anleger stiegen auch bei US-Rüstungsfirmen ein. Die Aktien von Raytheon, General Dynamics und Lockheed Martin zogen bis zu 1,3 Prozent an. Ein Rekordhoch markierten die Aktien von Tesla, nachdem der Elektroautohersteller im vierten Quartal besser abschnitt als erwartet und damit seine Auslieferungsziele für 2019 knapp erreichte. Die Aktien legten mehr als drei Prozent zu.

Chamenei droht „schwere Rache“ an

Der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, Ghassem Soleimani, war bei einem US-Raketenangriff nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad ums Leben. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei drohte den USA daraufhin „schwere Rache“ an.

„Der erste Schock sitzt tief“, ergänzte Marktstratege Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Nun müsse sich zeigen, ob die Situation weiter eskaliert oder in den kommenden Handelstage wieder beruhigt. „Die Finanzmärkte haben ihren ersten geopolitischen Belastungsfaktor in diesem Jahr“, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG.

Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners warnte: „Die Eskalationsspirale ist in vollem Gang.“ Die entscheidende Frage sei jetzt, wie weit beide Seiten zu gehen bereits sind. „Dieser Konflikt hat das Potenzial, politisch und wirtschaftlich extreme Turbulenzen auszulösen“, fuhr der Experte fort. Der drastische Anstieg des Ölpreises sei möglicherweise erst ein klitzekleiner Vorgeschmack auf das, was da noch kommen kann. Laut der Strategin Helima Croft vom Analysehaus RBC könnte in diesem Jahr der Konflikt zwischen dem Iran und den USA auf irakischem Boden ausgetragen werden.

Ölpreis schießt hoch – „Eskalationsspirale ist in vollem Gang“.

Der US-Ölpreis hat in der Nacht zu Freitag zeitweise mit 63,84 Dollar den höchsten Stand seit Mai 2019. Damit wurde sogar der Höchststand vom vergangenen September übertroffen, der nach einem schweren Angriff auf saudi-arabische Ölanlagen markiert worden war. Der Preis für Nordseeöl kletterte zwischenzeitlich bis auf 69,16 Dollar. Am Morgen fielen die Preise wieder ein wenig.

Mit teurem Erdöl steigen auch die Zuckerpreise, Kupfer fällt

Im Windschatten des Rohöl-Kurssprungs deckten sich Investoren auch mit Zucker ein. Sie hoffen auf eine verstärkte Nachfrage nach Bio-Ethanol, das aus Zuckerrohr gewonnen wird. Der US-Kontrakt auf Rohzucker steigt um 2,1 Prozent auf 1,34 Dollar je Pfund. Auch Gold
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als „Antikrisen-Währung“ ist gefragt und steigt auf mehr als 1543 Dollar je Feinunze – und damit so hoch wie zuletzt vor vier Monaten.

Auch der Bitcoin Börsen-Chart zeigen, die älteste und wichtigste Cyber-Devise, profitiert von der Unruhe am Aktienmarkt und verteuert sich um gut 6 Prozent auf 7399 Dollar. „Die Aktienanleger befinden sich derzeit auf der Suche nach Anlagealternativen“, sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. „Dazu gehören offensichtlich auch Kryptowährungen.“

Lufthansa, BMW, VW, Conti und Daimler fallen stark ab

Zugleich ziehen sich Anleger aus Furcht vor einer Beeinträchtigung des Weltwirtschaftswachstums bei einer weiteren Eskalation des Streits aus Kupfer Börsen-Chart zeigen zurück. Das Industriemetall verbilligt sich um 1,4 Prozent auf 6100 Dollar je Tonne.

Im Dax stand am Vormittag nicht ein Wert im Plus. Schlusslicht im Leitindex waren die Papiere der Lufthansa
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, deren Aktien fast 8 Prozent verloren. Neben den neuen Golf-Spannungen werde die Luftfahrt-Branche von der Prognose eines Passagierrückgangs 2020 belastet, sagte ein Börsianer.

Stark unter Druck stehen auch Aktien der Autobauer und Autozulieferer: BMW Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen , Continental Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen verloren in der Spitze zwischen 2,7 und 3,2 Prozent, erholten sich im Laufe des Nachmittags jedoch ein wenig.

Kurse in Asien tauchen ab

Auch in Asien kamen angesichts der gezielten Tötung des iranischen Generals Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts auf. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen sank nach anfänglichen Gewinnen um 0,18 Prozent auf 4144,96 Punkte. In Hongkong notierte der Hang Seng zuletzt 0,23 Prozent niedriger bei 28.477,39 Punkten. Der japanische Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen hatte am letzten Handelstag 2019 mit einem Minus von 0,76 Prozent bei 23 656,62 Punkten geschlossen.


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Einen Blick wert ist am Freitag auch Grenke
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. Der IT-Vermieter und Finanzdienstleister konnte sein Neugeschäft im abgelaufenen Jahr erneut steigern. Ein Händler kommentierte jedoch, das Unternehmen habe seine Marge zu Lasten des Wachstums verbessert. Auf Tradegate gaben die Anteilsscheine leicht nach.

Zudem könnten auch Analystenkommentare die Kurse bewegen. So empfahl die US-Bank Citigroup die Aktien von K+S zum Kauf. Analyst Thomas Wrigglesworth geht von einer moderaten Erholung der Kalipreise aus. Die K+S-Papiere stiegen auf Tradegate um knapp 1 Prozent.

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