Börse: Brexit-Sorgen und Handelsstreit ziehen Dax nach unten

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Brexit-Sorgen sowie der Handelsstreit zwischen China und USA belasten die Börsen. Der Dax rutscht wieder unter 12.000 Punkte. Die Aktie von Wirecard gerät stark unter Druck, ebenso wie das Papier von Qiagen.

Erneut abwärts: Nach zwei Gewinntagen in Folge drehte der Leitindex Dax
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am Dienstag erneut ins Minus und verlor bis zum Handelsschluss auf Xetra 1 Prozent auf 11.970 Punkte. Im frühen Handel hatte der Index noch über 12.100 Zählern notiert. Der Nebenwerte-Index MDax Börsen-Chart zeigen , der die mittelgroßen deutschen Werte umfasst, fiel um 1,60 Prozent auf 25 205,46 Punkte. Hier belasteten zusätzlich Kursrutsche bei den Aktien von Qiagen Börsen-Chart zeigen und Uniper Börsen-Chart zeigen . Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand zuletzt knapp 1 Prozent im Minus.

Neben dem Handelsstreit zwischen China und den USA trübte vor allem das Thema Brexit die Laune der Anleger. Ein EU-Austrittsabkommen hält der britische Premierminister Boris Johnson laut Kreisen mittlerweile für praktisch unmöglich. Dies habe Johnson im Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesagt, nachdem diese einen Verbleib von Nordirland in der Zollunion gefordert habe, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf britische Offizielle. Dies sei für Johnson nicht akzeptabel. Nun werde ein harter Brexit immer wahrscheinlicher, schrieb Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank.

Deutsche Börse leicht im Plus, LSE Aktie knickt ein

In dem trüben Umfeld notierten fast alle Dax-Werte im Minus. Gegen den negativen Trend stemmten sich zum Beispiel die Papiere der Deutschen Börse , die an der Index-Spitze um rund 1 Prozent zulegten. Zuvor hatte die Hongkonger Börse eine Übernahme ihres Londoner Rivalen LSE abgesagt. Eine Fusion hätte einen weltweit führenden Finanzmarktkonzern entstehen lassen. Die Offerte wurde aber von der LSE abgelehnt. Die Papiere der Londoner standen zuletzt mit knapp 5 Prozent im Minus.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq starten mit Verlusten

Die US-Börsen haben am Dienstag an ihre Vortagesverluste angeknüpft. Die Anleger seien besorgt, der Handelskonflikt könne sich kurz vor der Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den USA und China erneut verschärfen, sagten Marktbeobachter. Auslöser seien Aussagen der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft über mögliche Vergeltungsmaßnahmen gegen jüngste Handelsbeschränkungen durch die US-Regierung.

Der Leitindex Dow Jones
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notierte kurz nach Handelsbeginn 0,9 Prozent schwächer bei 26.231 Punkten. Der Tech-Index Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen gab unterdessen 1,1 Prozent nach.

Dass China womöglich Maßnahmen „zur Gewährleistung der eigenen Interessen“ ergreifen wolle, verunsichere, hieß es. Die USA hatten in der Nacht zum Dienstag wegen der „brutalen Unterdrückung“ der muslimischen Minderheit der Uiguren 28 chinesische Regierungs- und Handelsorganisationen auf eine schwarze Liste gesetzt , darunter auch einige Technologiekonzerne. Für diese soll die Belieferung mit US-Produkten eingeschränkt werden. „Das politische Gehabe vor den hochrangigen Handelsgesprächen, die am Donnerstag beginnen, ist gefährlich und erhöht die Gefahr, dass wir weder einen Mini-Deal sehen noch eine wesentliche Deeskalation“, sagte Edward Moya vom Währungsbroker Oanda.

Wirecard: Gewinnmitnahmen belasten

Der Zahlungsabwickler Wirecard Börsen-Chart zeigen schraubte indes seine Mittelfristziele bei Umsatz und Gewinn nach oben. Allerdings stelle sich die Frage, warum das Unternehmen nun mit einer niedrigeren operativen Gewinnmarge rechne als bisher, schrieb Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan. Die Anteilsscheine von Wirecard büßten zuletzt fast 4 Prozent ein.

Nebenwerte: Qiagen und Uniper brechen ein

Noch deutlichere Bewegungen gab es in der zweiten Reihe. So sackten die Aktien von Qiagen am MDax-Ende um rund 20 Prozent ab. Ein schwacher Umsatzausblick und der überraschende Abgang des Konzernchefs verstimmten die Anleger des Gendiagnostik-Spezialisten. Qiagen Börsen-Chart zeigen blickt wegen eines niedriger als gedachten Wachstums in China vorsichtiger auf das Erlöswachstum im dritten Quartal.

Die Anteilsscheine von Uniper knickten um fast 8 Prozent ein. Die Hoffnungen vieler Aktionäre des Versorgers auf eine zeitnahe, hohe Übernahmeprämie durch Fortum wurden zunichte gemacht: Zwar übernimmt der finnische Energiekonzern durch den Kauf eines Aktienpakets von den Investoren Elliott und Knight Vinke die Mehrheit an dem MDax-Konzern, mit einem Gewinnabführungsvertrag aber will sich Fortum mindestens zwei Jahre Zeit lassen.


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Nordex mit Kursrally

Klarer Spitzenreiter im Nebenwerte-Index SDax waren die Anteilsscheine von Nordex , die um gut 7 Prozent auf knapp 11 Euro in die Höhe schnellten. Der Windanlagenbauer erhielt ein Übernahmeangebot seines spanischen Großaktionärs Acciona in Höhe von 10,32 Euro je Aktie. Dieser beteiligte sich an einer Kapitalerhöhung des Hamburger Unternehmens. Der Anteil von Acciona dürfte so deutlich über 30 Prozent steigen.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,59 Prozent am Vortag auf minus 0,57 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,05 Prozent auf 146,13 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,15 Prozent auf 174,54 Zähler zu. Der Euro notierte zuletzt bei 1,0988 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,0993 (Freitag: 1,0979) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9097 (0,9108) Euro./

Euro kaum verändert

Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung Euro bei 1,0974 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,0993 (Freitag: 1,0979) Dollar festgesetzt.

Seit Ende der vergangenen Woche hat sich der Euro damit knapp unterhalb der Marke von 1,10 Dollar stabilisiert. Zuvor hatte eine Dollar-Stärke die Gemeinschaftswährung belastet und sie war zeitweise auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Im weiteren Handelsverlauf dürften die anstehenden Handelsgespräche zwischen den USA und China stärker in den Fokus der Anleger rücken und für neue Impulse am Devisenmarkt sorgen.

Ölpreise legen etwas zu

Die Ölpreise sind am Dienstag leicht gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 58,67 US-Dollar. Das waren 32 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 28 Cent auf 53,03 Dollar.

Zum Wochenauftakt hatte die Hoffnung auf Fortschritte bei anstehenden Handelsgesprächen zwischen den USA und China den Ölpreisen noch stärkeren Auftrieb verliehen. Zeitweise war der US-Ölpreise am Montag bis knapp über 54 Dollar gestiegen.

Kurz vor den für Donnerstag und Freitag geplanten Gesprächen hat die US-Regierung allerdings neue Maßnahmen gegen zahlreiche chinesische Regierungs- und Handelsorganisationen verkündet. Mit dem Vorwurf der Unterdrückung einer religiösen Minderheit wurden diese auf eine schwarze Liste von Organisationen gesetzt, von denen nach Einschätzung der amerikanischen Regierung eine Bedrohung für die nationale Sicherheit und außenpolitische Interessen der USA ausgehe.

mit Nachrichtenagenturen

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