Börse: Conti und Deutsche Bank bremsen Dax

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Showdown zwischen China und USA im Handelsstreit: Vize-Ministerpräsident Liu He will ab Donnerstag in Washington mit dem US-Handelsbeauftragten Lighthizer sprechen. Anleger warten ab, der Dax pendelt um die Marke von 12.000 Punkten. Gefragt sind die Aktien von Wirecard, während Papiere von Continental deutlich nachgeben.

Nach mehreren schwankungsreichen und per Saldo verlustbringenden Handelstagen steuert der Dax
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am Montag kaum verändert in die neue Woche. Der deutsche Leitindex startete mit einem zarten Plus von 0,1 Prozent auf 12.014 Zähler in den Handel, rutschte dann aber ins Minus und pendelte zuletzt knapp unter der Marke von 12.000 Zählern. Die Vorwoche hatte der Dax Börsen-Chart zeigen wegen Konjunktursorgen aber mit einem rund dreiprozentigen Abschlag beendet. Eine leichte Stütze war die späte Entwicklung an der Wall Street am Freitagabend, wo der Dow Jones Börsen-Chart zeigen seine Gewinne ausbauen konnte. In Asien jedoch war der Handel am Montag verhalten.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählte die Aktie von Bayer Börsen-Chart zeigen, die mit einem Plus von knapp 1 Prozent auf Berichte reagierte, dass der nächste Glyphosat-Prozess in den USA auf Anfang 2020 verschoben werde. Auch die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen legte um 1 Prozent zu zu. Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Wirecard vor dem Kapitalmarkttag auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 165 Euro belassen. Der Zahlungsabwickler werde wohl seine Ziele für 2020 und 2025 anheben, schrieb Analyst Sandeep Deshpande in einer am Montag vorliegenden Studie.

Handelsgespräche zwischen USA und China im Blick

Der Blick der Dax-Anleger geht bereits voraus: „Die Handelsgespräche zwischen den USA und China diese Woche werden zur Herkulesaufgabe“, sagte Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. Vize-Ministerpräsident Liu He will am Donnerstag und Freitag in Washington mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin sprechen. Außerdem beginnt so langsam die Quartalsberichtssaison der Unternehmen.

Continental Aktie klar im Minus – bis zu 20.000 Jobs auf dem Prüfstand

Der Konzernumbau bei Continental
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ist in vollem Gange, bis zu 20 000 der fast 245.000 Stellen könnten im Rahmen der „Strategie 2030“ weltweit abgebaut werden. Daneben soll stärker in den Bereich Software investiert werden. Dies ist laut den Managern des Dax-Konzerns nötig geworden, da Geschäfte und Gewinn im Zuge der lahmenden Autokonjunktur unter Druck geraten sind. Nach dem rasanten Verfall des Aktienkurses 2018 hat sich die Aktie nun zwar etwas stabilisiert – aber eben auf niedrigem Niveau. Nachdem der Konzern im 2018 noch verlauten ließ, seine Antriebssparte verselbstständigen und mit maximal 25 Prozent an die Börse bringen zu wollen, zieht das Management um Vorstandschef Elmar Degenhart nun die Zügel an: Sogar ein vollständiger Börsengang oder ein Verkauf des Geschäfts wird geprüft. Das wurde zeitweise an der Börse mit Wohlwollen aufgenommen, am Montag nahmen Anleger jedoch erneut Geld vom Tisch und drückten die Conti-Aktie um rund 3 Prozent ins Minus.

Dialog übernimmt Creative Chips

Der britisch-deutsche Chip-Entwickler Dialog Semiconductor ist auf seiner Einkaufstour in Bingen bei Mainz fündig geworden. Mit der Übernahme des kleineren Rivalen Creative Chips will Dialog sich bei integrierten Schaltkreisen für industrielle Anwendungen verstärken, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Das sogenannte „Internet of Things“ (IoT), bei dem Roboter, Maschinen und ganze Gebäude miteinander vernetzt werden, gilt als großes Wachstumsfeld. Dialog Semiconductor zahlt zunächst 80 Millionen Dollar für das 20 Jahre alte Unternehmen, bis zu 23 Millionen könnten dazukommen, wenn die Umsatzziele in den nächsten beiden Jahren erreicht werden.

Rezessionssorgen am Aktienmarkt

Die Rezessionssorgen haben die internationalen Aktienmärkte eiskalt erwischt. Sah es zu Beginn der Woche noch so aus, als ob die Börsen dank Rückenwind von der Geldpolitik Konjunktursorgen abschütteln könnten, hat sich das Blatt mittlerweile gewendet. Der erschreckend schwache ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der USA hat gezeigt, dass der ungelöste Handelsstreit die Konjunktur ausbremsen könnte.

Neue Strafzölle der USA gegen Europa kommen vor diesem Hintergrund zur Unzeit. Nachdem der Handelskonflikt zwischen den USA und China zuletzt etwas an Schärfe verloren hat, flammt damit neues Störfeuer auf. „Der drohende Handelskrieg zwischen den USA und der EU sowie die Tatsache, dass nun auch die bislang noch vergleichsweise robust wirkende US-Wirtschaft zur Schwäche neigt, verschreckte die Anleger“, stellt Investmentanalyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg in einem Wochenausblick fest.

Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten waren laut ersten Einschätzungen von Börsianern solide ausgefallen. Zwar hatte die US-Wirtschaft im September etwas weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Die entsprechenden Werte für August und Juli wurden allerdings nachträglich nach oben revidiert. Insgesamt dürften sich die Erwartungen an weitere Zinssenkungen mit den Daten aber nicht maßgeblich reduzieren, hieß es.

So oder so: Kriegsentscheidend ist dies nicht. „Letztendlich hängt alles von den Handelsgesprächen zwischen den USA und China ab, um die Stimmung zu verbessern“, schrieben die Volkswirte der Unicredit in einem Kommentar.


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Die neue Börsenwoche verspricht daher, spannend zu werden. Denn nicht nur die Konjunktur, sondern auch die Politik ist jederzeit für eine Überraschung gut. Da ist einerseits das drohende Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump. Analyst Streich zweifelt zwar, dass sich im Senat genügend republikanische Vertreter gegen den Amtsinhaber stellen können, doch dürfte der Vorgang das verstärken, was die Aktienmärkte am wenigsten mögen: die Unsicherheit.

Gleiches gilt für das Gezerre um den Brexit. Der neue Vorschlag des britischen Premiers Boris Johnson scheint die EU-Kommission nicht überzeugt zu haben, denn die verlangt Nachbesserungen. Somit bleibt offen, wie der geplante Austritt der Briten vonstatten geht.

Die unerquickliche Gemengelage hat im Chartbild Spuren hinterlassen. Gegenbewegungen sind nach den starken Verlusten zwar möglich, die Vorzeichen weisen aber auf sinkende Kurse hin. Marktexperte Andreas Büchler von IG Index rechnet daher mit schwachen Märkten. Immerhin: „Schon um 11.700 / 11.800 könnte der Dax
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durch die Kombination einer horizontalen Wendezone mit dem 200-Tage-Durchschnittskurs wieder verstärkt Käufer finden“, betont Büchler in einer Studie. Sollte das aber nicht gelingen, sieht es trübe aus. „Dann wäre eine Seitwärtsbewegung mit Untergrenze an der nächstfolgenden potenziellen Bodenbildungszone an der 11.300er-Marke noch das beste der denkbaren Folgeszenarien“, warnt Büchler.

Ob es soweit kommt, wird ein Stück weit an den Konjunkturdaten hängen. Die sind zwar nicht ganz so hochkarätig wie in der ersten Oktoberwoche, aber angesichts der Konjunktursorgen nicht zu vernachlässigen. Zu Wochenbeginn erfolgen Daten zu Auftragseingang und Produktion der deutschen Industrie, am Freitag wird der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan für den Oktober veröffentlicht. Zudem wird sich US-Notenbankpräsident Jerome Powell im Rahmen verschiedener Reden äußern.

Auf Seite der Unternehmen könnte es am Dienstag Neuigkeiten von Wirecard im Rahmen eines Kapitalmarkttags geben. Detaillierte Geschäftszahlen zum zweiten Quartal will zudem am Mittwoch die Südzucker -Tochter Cropenergies vorlegen. Am Donnerstag ist dann die Mutter selbst mit ihren Halbjahreszahlen an der Reihe. Gleichzeitig präsentiert dann auch der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer seine Ergebnisse im dritten Geschäftsquartal. Zum Ende der Woche wird die Lufthansa ihre Verkehrszahlen vom September vorlegen.

Asiens Börsen kaum verändert

Die Börse in Tokio ist angesichts neuer Sorgen über ein Scheitern der geplanten Handelsgespräche zwischen den USA und China schwächer in die Woche gestartet. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge zögere die chinesische Seite zunehmend, ein breites Handelsabkommen abzuschließen.

Vize-Ministerpräsident Liu He will am Donnerstag und Freitag in Washington mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin sprechen. Der Konflikt belastet die Weltwirtschaft.

Der 225 Werte umfassende Nikkei
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lag deshalb im Verlauf 0,3 Prozent tiefer bei 21.348 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,2 Prozent und lag bei 1570 Punkten.

Die Börse in Shanghai gab ebenfalls leicht nach. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans bewegte sich kaum.

Im asiatischen Devisenhandel verlor der Dollar 0,1 Prozent auf 106,81 Yen und legte 0,4 Prozent auf 7,1477 Yuan zu. Zur Schweizer Währung notierte er kaum verändert bei 0,9948 Franken. Parallel dazu stieg der Euro um 0,1 Prozent auf 1,0985 Dollar und notierte kaum verändert bei 1,0929 Franken. Das Pfund Sterling stagnierte bei 1,2328 Dollar.

mit dpa und reuters

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