Nach dem spektakulären Wochenauftakt: Kauflaune vorbei – Dax fällt ins Minus

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Die positive Stimmung am Aktienmarkt hielt am Morgen zunächst an. Der Dax startete im Plus, zog dann allerdings die Bremse. Auch die Ölpreise gaben nach einem freundlichen Morgen wieder nach.

Nach der fulminanten Kursrally zum Wochenauftakt war es am Dienstag mit der Kauflaune am deutschen Aktienmarkt schon wieder vorbei. Anfangs ging es zwar für den Dax Börsen-Chart zeigen nochmals um ein Prozent und mehr nach oben, dann aber zogen Anleger die Handbremse. Gegen Mittag lag der Leitindex denn auch mit 0,47 Prozent im Minus bei 11.006,91 Punkten. Er hielt sich damit nur knapp über der 11.000-Punkte-Marke, die er am Vortag erstmals seit Ende April wieder hinter sich gelassen hatte.

Die mittelgroßen Werte schlugen sich am Dienstag etwas besser, wie der MDax Börsen-Chart zeigen mit einem fast ausgeglichenen Stand von 24.086,06 Punkten zeigte. Der Eurozonen-Index EuroStoxx Börsen-Chart zeigen jedoch fiel um 0,59 Prozent auf 2894,67 Zähler.

Die zuletzt besser gewordene Grundstimmung an den Märkten hatte mehrere Gründe, darunter die Corona-Lockerungen, steigende Ölpreise, Aussagen des Fed-Chefs Jerome Powell oder aber die Hoffnung auf einen möglichen Impfstoffkandidaten gegen das neuartige Coronavirus. Entsprechende Aussagen des Biotechunternehmen Moderna hatten am Vorabend in New York die Kurse angetrieben.

Börsianer wiesen jedoch darauf hin, dass angesichts des Anstiegs nahe an das April-Hoch schon wieder eine Euphorie spürbar sei, die gewisse Gefahren mit sich bringe. Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners warnte vor Illusionen, „denn es wird lange dauern, bis wir alle Folgen dieser Krise hinter uns lassen.“ Laut den Experten von Index-Radar bleiben die Risiken außerhalb des jüngsten Schwankungskorridors hoch. „In der Vergangenheit stoppte eine Aufwärtsbewegung dann oft“, so Charttechniker Andreas Büchler.

Auf Unternehmensseite holte der zuletzt ins Hintertreffen geratene Versicherungssektor im europäischen Branchenvergleich etwas auf, indem der Sektorindex einer der wenigen Gewinner war. Die Anteilsscheine der Allianz Börsen-Chart zeigen wurden mit einem Anstieg um 1,8 Prozent zum Dax-Spitzenreiter, während die Rally bei den am Vortag stark gestiegenen zyklischen Industriewerten zu Ende war. Talanx kletterten im SDax um 2,9 Prozent, hier half auch eine Kaufempfehlung der Investmentbank HSBC.

Unter den Werten, die gegen den Markt weiter stiegen, waren die Papiere von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen, die nach ihrem Kurssprung vom Montag mit einem Anstieg um fünf Prozent erneut zu den Favoriten im MDax zählten. Der Industriekonzern hatte am Vorabend nach Börsenschluss Pläne bekannt gegeben, wie er sich weiter gesund schrumpfen will. Die geplante Neuausrichtung wurde am Markt positiv gesehen.

Unter den Verlierern im MDax waren die Aktien von Hellofresh und Delivery Hero wegen Gewinnmitnahmen, wie es aus dem Handel hieß. Für den Kochboxen-Lieferanten Hellofresh ging es um 3,4 Prozent bergab, während die Papiere des Essenslieferdienstes um 1,5 Prozent fielen. Beide wurden zuletzt als Gewinner der Viruskrise gefeiert, nun scheint die Luft erst einmal raus zu sein.

Im SDax machten Dermapharm positiv von sich reden. Die Aktien schnellten um fast sechs Prozent in neue Rekordhöhen, nachdem das Arzneiunternehmen im ersten Quartal ein höher als erwartetes Wachstum vermeldete. Förderlich für die Stimmung waren auch Aussagen, dass die Corona-Pandemie in einzelnen Therapiegebieten zu verstärkter Nachfrage geführt habe.

Der Baumarktkonzern Hornbach kündigte an, dass er trotz der Corona-Krise mit einem starken ersten Quartal rechnet. Wie die Konzernholding am Vorabend nach Börsenschluss mitteilte, wurde die vorübergehende Schließung einiger Filialen in den geöffneten Märkten und dem Onlineshop „mehr und mehr überkompensiert“. Die Aktien der Holding rückten im SDax um 1,7 Prozent vor.


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Nach der Erholung der letzten Tage haben die Ölpreise am Dienstag im Mittagshandel nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 34,63 US-Dollar. Das waren 18 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel am Mittag um 14 Cent auf 31,51 Dollar. Am Vortag hatten die Preise für Brent und WTI erstmals seit über einem Monat die Marken von 35 beziehungsweise 30 Dollar überwunden.

Am Morgen hatte die freundliche Stimmung an den Asien-Börsen die Ölpreise noch gestützt. Zuletzt kam es an den europäischen Märkten jedoch zu Gewinnmitnahmen. Marktbeobachter warnten in diesem Zusammenhang auch vor Illusionen einer allzu raschen Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise.

Vor allem die Hoffnung auf einen möglichen Impfstoffkandidaten gegen die Lungenkrankheit Covid-19 hatte die Kurse zuvor angetrieben. Riskantere Anlageklassen wie Rohstoffe profitierten davon.

Euro hält Gewinne

Der Kurs des Euro hat am Montag im frühen Handel die deutlichen Kursgewinne vom Vortag verteidigt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Morgen mit 1,0915 US-Dollar gehandelt. Er notierte damit auf dem Niveau vom Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,0832 (Freitag: 1,0798) Dollar festgesetzt.

Der Euro hatte am Montag von der verbesserten Stimmung an den Finanzmärkten profitiert und um rund einen Cent zugelegt. Am Dienstag erwarten Beobachter zunächst eine Fortsetzung der positiven Stimmung. Dazu dürfte auch der von Frankreich und Deutschland vorgelegte Wiederaufbauplan für die europäische Wirtschaft nach der Corona-Krise beitragen. Der Plan sieht ein Volumen von 500 Milliarden Euro vor.

luk / dpa-afx, Reuters

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