Coty beendet Geschäftsjahr: Hässliche Zahlen des Kosmetikkonzerns

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Coty beendet Geschäftsjahr Hässliche Zahlen des Kosmetikkonzerns

Bei ihrem Kosmetikkonzern Coty schockiert die deutsche Investorenfamilie Reimann die Anleger erneut mit einem Milliardenverlust. Doch der Blick in die Zahlen sorgt für eine Überraschung.

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Wer jemals gezweifelt hat, dass Manager Peter Harf mit seinen Ankündigungen Wort hält, sieht sich seit Donnerstag eines Besseren belehrt. Schließlich hatte der oberste Vermögensverwalter der Milliardärsfamilie Reimann bereits bei der Amtsübernahme angekündigt, bei seiner notleidenden Kosmetiktochter Coty künftig nichts mehr zu beschönigen. „Wir werden sehr transparent sein und furchtlos ehrlich“, so Harf Anfang Juni.

Das hat er heute getan. In seiner ersten – und zugleich letzten – Geschäftszahlenverkündung als Coty-CEO hat der 74-jährige rigoros die Bilanz entrümpelt und alle Schwächen und auch Stärken offengelegt.

Zum einen präsentierte Harf erneut ein Riesenminus. Gut eine Milliarde Dollar hat das Unternehmen im zum 30. Juni beendeten Geschäftsjahr verloren. Grund ist – neben dem Einbruch des Geschäfts in der Coronakrise um gut die Hälfte – vor allem eine erneute Wertberichtigung auf das Geschäft, besonders auf den Zukauf der Friseurmarke Wella und gut 40 anderer Marken vom Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) rund um den Darmstädter Haarpflegespezialisten Wella.

Aber bei Bekanntgabe der Jahreszahlen war Harf noch auf eine andere Art ehrlich. Denn die Zahlen zeigen, dass die aktuellen Probleme von Coty tatsächlich fast ausschließlich aus der Integration von Wella stammen, die vor allem sein geschasster, ehemaliger Geschäftsführungskollege Bart Becht verantwortet und offenbar vergeigt hat.

Dafür hat Harf den Jahresabschluss quasi doppelt erstellen lassen: einen für die bisherige Coty inklusive der P&G-Marken – und einen für die neue Coty ohne die inzwischen an den Finanzinvestor KKR verkauften Teile wie Wella oder die Haarpflegemarke Clairol.

Das Ergebnis überrascht. Die Doppelbilanz offenbart nicht nur, dass Coty mit Wella immerhin rund 30 Prozent ihres Umsatzes verliert – etwas mehr als viele Analysten geschätzt haben. Deutlich wird auch, dass der Rest des Unternehmens mit Düften wie Hugo Boss, Gucci oder Calvin Klein sowie Kosmetikmarken wie Max Factor trotz aller Einbrüche durch Corona auch im vergangenen Jahr profitabel gearbeitet hat. Denn Harfs Präsentation während eines Investorentermins zeigt: Für den operativen Verlust von 161 Millionen Dollar sorgte vor allem das Minus der abgestoßenen Töchter in Höhe von 323 Millionen Dollar. Das konnte der Rest von Coty, allen voran das Parfümgeschäft, mit einem Überschuss von 162 Millionen Dollar immerhin zur Hälfte wettmachen.

Kein Wunder, dass Harf auch gleich für das gerade begonnene Jahr bessere Zahlen versprechen konnte. Zwar lief das Geschäft im Juli noch recht schleppend. Doch im August gab es bereits wieder einen deutlichen Überschuss. „Wir werden bereits im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wieder Gewinne schreiben“, so Harf. „Coty ist zurück.“

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Über Jahrzehnte hat der Manager Peter Harf für die Unternehmerfamilie Reimann ein globales Firmenreich aufgebaut. Die Probleme beim Kosmetikkonzern Coty aber bekommt er bisher nicht in den Griff. Nun will er das Unternehmen mit Social-Media-Stars, einer glamourösen neuen Chefin und einem Sparprogramm sanieren. Es geht auch um seinen Ruf. Lesen Sie die Geschichte hier.

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