Boom der Heim-Schwimmer: Pools sind das neue Toilettenpapier

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Boom der Heim-Schwimmer Pools sind das neue Toilettenpapier

Wegen Corona ist Urlaub nur begrenzt möglich, viele bleiben gleich ganz zu Hause. Wie schön wäre da ein Pool? Das denken viele. Schwimmbadbauer Frank Deuss erzählt: Das Geschäft läuft so gut wie noch nie – und 2020 geht bei den meisten Fachleuten nichts mehr.

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WirtschaftsWoche: Wie verkaufen sich Pools derzeit?
Frank Deuss: Wie geschnitten Brot. Die Zahl der Anfragen ist unglaublich. Wir haben normalerweise ein bis zwei Anfragen pro Woche. Seit der Coronapandemie sind es drei bis fünf – jeden Tag. Der Wunsch, einen eigenen Pool zu haben, hat sich also nahezu verzehnfacht.

Normalerweise bauen wir fünf bis sechs Projekte pro Jahr. Die haben wir für dieses Jahr schon abgeschlossen – und fünf weitere haben wir noch auf dem Plan für 2020. Das ist kein Acht-Stunden-Job momentan.

Und was wird nachgefragt?
Alles. Es gibt nichts, was die Leute nicht wollen. Der typische Schwimmbadbauer ist natürlich nicht im Do-it-yourself-Bereich unterwegs, sondern baut eine gewisse Preisklasse. Aber auch die meisten Onlinehändler, die ich kenne, sind schlichtweg ausverkauft. Und das seit Wochen, es kommt kaum bis keine Ware mehr nach.

Den Großhändlern geht es ähnlich. Niemand hat mehr Material. Technik für den Pool, Filtertechnik beispielsweise, ist eigentlich Lagerware und innerhalb einer Woche verfügbar. Auch die hat derzeit sechs bis acht Wochen Lieferzeit. Rohrleitungen, eigentlich als Lagerware kein Problem, sind derzeit kaum zu bekommen. Auch die extrem teuren Varianten und Materialien sind ausverkauft. Mal eben etwas nachbestellen ist also selbst für uns nicht drin.

Das heißt, wenn ich jetzt anfrage und einen Pool in Auftrag gebe, wann kann ich damit rechnen?
Nächstes Jahr im Sommer. Vereinzelt gibt es noch Systeme, die derzeit noch vorrätig sind, aber der typische Pool, den wir bauen – Fertigbecken oder Betonbecken mit Folienauskleidung – ist nicht mehr zu bekommen in diesem Jahr. Als Beispiel: Die Fertigbecken – also fertig gegossene Formen, die eingesetzt werden – haben sonst eine übliche Lieferzeit von acht Wochen. Die liegt derzeit zwischen 22 und 25 Wochen.

Verlieren potenzielle Käufer das Interesse, wenn Sie sagen müssen, der Pool wird erst nächstes Jahr im Sommer genutzt werden können?
Das ist eine Frage des Verkaufsstils. Wenn ich mit Kunden spreche, merke ich natürlich, dass die vorher schon mit zwei, drei anderen Schwimmbadbauern gesprochen haben. Und derzeit ist es so, dass Interessenten bei vielen Kollegen übel abblitzen. Mit Sprüchen wie „Kommen sie nächstes Jahr wieder, wir sind voll.“ Viele scheinen der Meinung zu sein, sich das jetzt erlauben zu können.

Ich bin der Überzeugung, dass ich mir eine solche Arroganz nicht leisten kann. Ich mache dennoch Beratungstermine und versuche es mit guten Argumenten. Wenn wir genau jetzt den Garten aufreißen, dann ist der Garten ein Schlachtfeld. Mein Vorschlag deshalb: Den Pool im Winter oder Frühjahr bauen, damit er im nächsten Sommer genutzt werden kann.

Die meisten wollen ihn vermutlich am liebsten jetzt sofort.
Das ist richtig, aber bei unseren Pools natürlich ohnehin nicht möglich. Auch wenn wir die Coronakrise nicht gehabt hätten, wäre man jetzt ebenfalls zu spät dran. Zwei bis drei Monate Vorlauf sollten eingerechnet werden. Idealerweise plant man einen Pool im Herbst und fängt im Frühjahr an, das Ganze umzusetzen, um zu den Sommerferien das eigene Schwimmbad im Garten zu haben.

Sind denn die Preise auch gestiegen?
Die Onlinehändler erhöhen sicherlich die Preise, weil die sonst immer deutlich unter Listenpreis verkaufen. Ich habe meine Preise nicht erhöht. Die Materialien haben sich auch im Preis nicht verändert – sie sind eben einfach nicht verfügbar.
Was aber definitiv wegfällt, sind die sonst durchaus üblichen Rabatte. Wer jetzt nach einem Rabatt fragt, macht sich lächerlich, und wer jetzt noch einen Rabatt gibt, macht was falsch. Rabatt braucht kein Schwimmbadbauer mehr geben.
Allerdings darf man in unserem Metier natürlich die Mehrwertsteuersenkung nicht außer Acht lassen. Denn während die drei Prozent anderswo kaum ins Gewicht fallen, macht das bei einem Projekt von 50.000 oder 100.000 Euro natürlich schon einen Unterschied.

Hat sich die Kundschaft verändert? Sind andere Interessenten hinzugekommen, die Sie vor Corona nicht so oft gesehen haben?
Da müssen wir grundsätzlich zwei Kundengruppen unterscheiden: Das eine ist der Luxuspool ab 50.000 Euro. Das andere ist der Standard-Gartenpool per Do-it-yourself aus dem Onlinehandel, der bei 10.000 bis 20.000 Euro liegt.

Das Klientel, das den Luxuspool kauft, ist das gleiche geblieben. Ich muss bei Anfragen den Kunden immer schnell den Staub aus den Augen blasen und auf den Punkt kommen, also über das Budget sprechen. Denn ehrlich gesagt, kann ich mich derzeit nicht um diejenigen bemühen, die nur 10.000 oder 20.000 Euro ausgeben wollen. Die Zeit habe ich nicht.

Diese Interessenten bleiben aus marktwirtschaftlichen Grünen schlichtweg auf der Strecke.
Ja. Das kann man so sagen. Was oft unterschätzt wird: Wenn ich mir online ein Pool-Komplett-Set für 5000 Euro kaufe, dann fehlt dennoch das Loch im Garten – und dass kostet auch schnell tausend Euro. Und die Bodenplatte, auf die der Pool aufgestellt wird, kostet auch noch einmal mehrere tausend Euro. Solche Dinge machen so ein Projekt letztlich viel teurer, als das Online-Angebot vermuten lässt.

Aber viele trauen sich das Selbermachen zu. Jetzt noch mehr als zuvor?
Ja. Es gibt viele, die trauen sich da ran. Ich merke auch an den Anrufen, die bei mir reinkommen, dass die Zahl derjenigen gestiegen ist. Es gibt viele, die haben sich ein solches Set gekauft und an irgendeinem Punkt kommen sie nicht weiter. Dann rufen sie bei mir an und fragen, ob man nicht helfen, unterstützen könnte bei der Montage. Diese Anfragen haben sich in den vergangenen Monaten ebenso gehäuft. Aber die muss ich freundlich ablehnen.

Sie könnten wahrscheinlich gerade drei Mal so viele Mitarbeiter beschäftigen.
Theoretisch schon. Praktisch bekomme ich aber leider gar nicht die entsprechenden Handwerker. Und jemanden anzulernen, dauert. Schwimmbadbauer ist kein Ausbildungsberuf. Theoretisch kann jeder, der Lust hat, ein Gewerbe anmelden und Schwimmbäder bauen.

Es gibt mittlerweile einige Gartenbauer, die sich mit dem Schwimmbadbau beschäftigen und mit denen ich Kooperationen habe. Es gibt aber genauso Sanitärfirmen oder auch Malerbetriebe, die auch Schwimmbäder anbieten. Darunter ist leider auch so manches schwarze Schaf, das nicht über das nötige Know-how verfügt. Ich war schon bei einigen Kunden, um einen Pool zu reparieren, bei dem schnell klar war: Da wollte jemand das schnelle Geld machen. Ein genauer Blick auf die Erfahrung und Qualifikation des Anbieters ist beim Schwimmbadbau wichtig.

Realistisch betrachtet kostet ein qualitativ gut gemachter Pool mit entsprechender Ausstattung – Heizung, Beleuchtung und Abdeckung – bei einer Größe von drei mal sechs Metern nicht unter 40.000 Euro.

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