Mega-Börsengänge zum Jahresende: Wie Alibaba und Saudi Aramco heimlich Anleger warnen

0/50 Bewertungen

AFP

Der Singles‘ Day von Alibaba lief gut: Jetzt will der Konzern noch rasch Milliarden an der Börse in Hongkong einsammeln

Chinas Online-Konzern Alibaba sorgt mit einem geplanten Milliardenbörsengang ebenso für Schlagzeilen wie die saudische Ölgesellschaft Saudi Aramco. Beide haben es eilig. Für Anleger ist das ein Warnsignal.

Das Aktienjahr 2019, so viel scheint schon jetzt klar, war für Anleger ein gutes. Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen liegt gegenwärtig seit Anfang Januar mit 25 Prozent im Plus, für den Midcap-Index MDax Börsen-Chart zeigen gilt das gleiche, ebenso wie übrigens auch für den US-Aktienmarkt, gemessen beispielsweise am breiten Index S&P 500. Gerade in den vergangenen Wochen ging es noch einmal kräftig aufwärts. Der lang anhaltende Börsenaufschwung, der kurz nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise begann und zwischenzeitig lediglich einige Korrekturphasen durchlaufen hat, hat also ein weiteres Jahr gehalten.

Doch die Nervosität steigt. Der US-chinesische Handelskonflikt, die Unklarheiten über den Brexit sowie Schwächezeichen von der Konjunktur und allzu vorsichtige Ausblicke von Unternehmen sorgen immer wieder für heftige Rücksetzer an der Börse. Das zeigte sich einmal mehr in den vergangenen Tagen, als die eigentlich reibungslos laufende Jahresendrally am Aktienmarkt, die den Dax wieder deutlich über die Marke von 13.000 Punkten gehievt hatte, merklich ins Stocken kam.

Damit wiederholt sich ein immer wiederkehrendes Muster: Gerade, wenn Investoren ihre Sorgen anscheinend abgelegt haben, tauchen wieder Turbulenzen auf, die daran erinnern, wie groß die unterschwellige Nervosität und Unsicherheit am Aktienmarkt inzwischen ist – zumal auf dem bereits erreichten hohen Kursniveau. Anleger möchten zwar keine möglichen Kursgewinne verpassen, sie rechnen jedoch offenbar zugleich jederzeit damit, dass es mit den Kursen kräftig abwärts geht – endlich mal wieder.

Ein Indikator, an dem sich die grundlegende Vorsicht, die das Geschehen an der Börse seit geraumer Zeit prägt, gut ablesen lässt, ist die Häufigkeit und das Volumen von Börsengängen. Unternehmen, die den Gang aufs Parkett planen, tun dies mit Vorliebe wenn sie davon ausgehen können, dass ihre Offerte auf eine möglichst große Kauflaune trifft. Ist dies nicht der Fall, werden IPOs gerne verschoben, bis sich die Stimmung wieder gebessert hat.

2019 war zwar – siehe oben – gemessen an der Kursentwicklung bislang ein gutes Börsenjahr. Bei einem Blick auf das Geschäft mit Börsengängen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die Aktivitäten bewegen sich weltweit bislang deutlich unter dem Schnitt der vergangenen Jahre. Und daran dürfte sich bis Jahresende auch nicht mehr viel ändern. Wie Zahlen der Wirtschaftsberatung Ernst & Young zeigen, war vor allem das erste Quartal 2019 schwach. Das globale IPO-Volumen in den drei Monaten fiel mit lediglich 15,1 Milliarden Dollar so niedrig aus wie seit drei Jahren nicht mehr. Im dritten Quartal blieb das Volumen mit rund 40 Milliarden Dollar um 22 Prozent und damit ebenfalls deutlich hinter dem Vorjahreswert zurück.

Zwar rechnen die Experten von Ernst & Young mit einer Belebung der IPO-Aktivitäten im vierten Quartal. Das Problem ist nur: Das muss kein gutes Zeichen sein, wie ein Blick auf die beiden vermutlich größten Transaktionen in den Restwochen des Jahres zeigt.


Lesen Sie auch: Uber, Alibaba, Saudi Aramco – die größten IPOs des Jahres


Zum einen will der Online-Handelskonzern Alibaba Börsen-Chart zeigen seine Aktien nach dem Rekord-IPO vor fünf Jahren in New York in wenigen Tagen auch in den Handel an der Börse Hongkong geben. Der Börsengang wird voraussichtlich ein Volumen von bis zu 12,9 Milliarden Dollar haben, so viel wie bislang weltweit kein anderer in diesem Jahr.

Zum anderen plant Saudi-Arabien voraussichtlich im Dezember die Erstnotiz seiner staatlichen Ölgesellschaft Saudi-Aramco an der heimischen Börse Tadawul. Mit einem Volumen von bis zu 25,6 Milliarden Dollar kann es der bislang weltgrößte Börsengang überhaupt werden, größer noch als jener von Alibaba 2014. Immerhin 20 Milliarden Dollar an Erlösen hat sich Saudi Aramco jüngsten Informationen zufolge bereits gesichert.

Zwei Mega-IPOs also, die unmittelbar bevorstehen – für Investoren kann das durchaus ein Grund zur Sorge sein. Schließlich hatten beide Emittenten ihre Börsengänge eigentlich bereits verschoben. Alibaba schreckte vor dem unruhigen Umfeld in Hongkong zurück, wo es seit Monaten Demonstrationen und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Studenten und der Polizei gibt. Der Konzern wollte mit einem Börsengang in diesem Szenario Peking offenbar nicht verärgern – Bedenken, die inzwischen augenscheinlich keine Rolle mehr spielen.

Der Börsengang von Saudi Aramco wiederum war ursprünglich erst für das kommende Jahr geplant und wurde dann nach den Terroranschlägen auf Ölanlagen im Königreich im September auf Eis gelegt. Nun soll es plötzlich auch in Saudi-Arabien ganz schnell gehen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Botschaft ist offensichtlich: Sowohl Alibaba als auch Saudi Aramco haben offenbar das Gefühl, sich beeilen zu müssen, wenn sie die erhofften Milliarden an der Börse einsammeln wollen. Entweder sie tun es noch in diesem Jahr, oder …

Anlegern, die sich in euphorischer Jahresendstimmung befinden, sollte das womöglich eine Mahnung sein.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*