Börse: Dax und Dow Jones drehen ins Plus – Tiefschlag vom Jobmarkt verdaut

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Der Dax dreht am Donnerstag Nachmittag wieder in die Gewinnzone. Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe in USA hat sich zwar verzehnfacht, doch die US-Börsen starten dennoch mit Gewinnen in den Handel.

Kursgewinne in Dax Börsen-Chart zeigen und Dow Jones Börsen-Chart zeigen trotz schwacher Jobdaten aus den USA: Trotz des Rekord-Jobabbaus in den USA bleibt ein Ausverkauf an den Börsen aus. Die Stabilisierung des Marktes deute darauf hin, dass Anleger ein zusätzliches Konjunkturpaket der Regierung erwarten, sagte Quincy Krosby, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Prudential Financial. Der Kongress hatte nach zähem Ringen am Mittwoch ein zwei Billionen Dollar schweres Programm abgesegnet.

Der Dax Börsen-Chart zeigen näherte sich der Marke von 9800 Punkten und notierte damit wieder leicht in der Gewinnzone. An der Wall Street legte der US-Standardwerteindex Dow Jones zur Eröffnung sogar um bis zu 2,6 Prozent zu.

In der vergangenen Woche verzehnfachte sich die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe auf knapp 3,3 Millionen. „Das bisherige Rekordhoch von 695.000 aus dem Jahr 1982 ist damit förmlich pulverisiert worden“, sagte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. „Diese Zahlen sind der erste ‚harte‘ Beleg für das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens, den das Coronavirus der US-Wirtschaft zufügt.“ Die vorgelegten Zahlen lagen zwar rund drei Mal so hoch wie offiziell erwartet. Einige Börsianer hatten allerdings bis zu zehn Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe befürchtet.

Die zugehörige Kurve machte schnell in den sozialen Medien die Runde: Vorherigen Krisen und Rezessionen seien im Vergleich kaum auszumachen, kommentierte etwa Bloomberg-Journalist Joe Weisenthal.

Angesichts dieser dramatischen Zahlen sind nach Einschätzung von Jasper Lawler, Chef-Analyst des Online-Brokers LCG, neben neuen Konjunkturhilfen der Regierung auch zusätzliche Geldspritzen der Notenbank Fed nicht ausgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund baute der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, seine Verluste aus und gab 1,2 Prozent nach. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro um 0,7 Prozent auf 1,0956 Dollar.

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No Limits: EZB kippt selbst gesetzte Grenzen bei Anleihekäufen

In Europa gab die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie ihre selbst gesteckten Kaufobergrenzen für Staatsanleihen auf. „Das erlaubt es der EZB, diejenigen Volkswirtschaften zu unterstützen, die von der Krise härter getroffen wurden wie zum Beispiel Italien“, sagte Anlagestratege Daniel Lenz von der DZ Bank. Außerdem könne sie die Risikoaufschläge für Papiere wirtschaftlich schwächerer Länder unter Kontrolle halten.

Die EZB-Ankündigung ermunterte Anleger zum Kauf von Bonds aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Dies drückte die Renditen und auch die Risikoaufschläge (Spreads) zu vergleichbaren Bundesanleihen.

Ölpreis erneut unter Druck

Für den Ölpreis ging es dagegen weiter abwärts. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um ein Prozent auf 27,11 Dollar je Barrel (159 Liter). Wegen des weitgehenden Stillstands der Weltwirtschaft rechnen die Experten der Bank Goldman Sachs mit einem Rückgang der Nachfrage um 10,5 Millionen Barrel pro Tag im März und um 18,7 Millionen Barrel im April. Im vergangenen Jahr habe der tägliche Bedarf bei rund 100 Millionen Barrel gelegen. Gleichzeitig werde der Markt wegen des Preiskriegs zwischen den wichtigen Förderländern Saudi-Arabien und Russland mit Rohöl geflutet, sagte Stephen Innes, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Axicorp. Vor diesem Hintergrund stiegen Anleger erneut bei Öl- und Gaskonzernen aus. Der europäische Index für diese Branche verlor 1,7 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt stiegen die Titel von Hellofresh dagegen um bis zu 9,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 28,40 Euro. Angesichts der Kontaktbeschränkungen in den USA und vielen europäischen Ländern seien Kochboxen-Lieferdienste eine gute Möglichkeit für die Bevölkerung, sich mit frischen Lebensmitteln einzudecken, schrieben die Experten der Deutschen Bank.

Wall Street: Dow Jones startet mit Gewinnen

Trotz einer Rekordflut an Arbeitslosenanträgen haben die US-Börsen am Donnerstag zugelegt. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen der Standardwerte gewann 1,9 Prozent auf 21.623 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 legte 1,7 Prozent auf 2517 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg ebenfalls um 1,7 Prozent auf 7511 Punkte.

Die Coronavirus-Krise schlägt voll auf den US-Jobmarkt durch. In der vergangenen Woche stellten knapp 3,3 Millionen Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Der bisherige Rekord wurde 1982 mit 695.000 registriert. Sollten sich die Börsen im Plus halten, würde das darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer ein größeres Konjunktur- oder Finanzpaket von der Regierung erwarteten als die vereinbarten 2 Billionen Dollar, sagte Marktstratege Quincy Krosby vom Vermögensverwalter Prudential. „Es muss aufgestockt werden.“

Boeing steigt zweistellig

Bei den Einzelwerten lagen Boeing Börsen-Chart zeigen mit einem Plus von mehr als zehn Prozent ganz oben auf der Dow-Gewinnerliste. Die US-Regierung sagte der angeschlagenen Luftfahrtbranche Hilfen in Milliardenhöhe zu.

Die Papiere von Caterpillar notierten rund ein halbes Prozent höher, obwohl der Baumaschinenkonzern angesichts der Viruskrise seine Jahresziele kassierte.


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Börse in Tokio wieder deutlich schwächer

Die Furcht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in den USA im Zuge der Coronakrise hat die asiatischen Anleger am Donnerstag verunsichert. In Japan sackte der 225 Werte umfassende Nikkei 4,5 Prozent ab auf 18.664,60 Zähler. In China lagen die Kurse leicht im Minus. „Nach diesen verrückten drei Handelswochen kammen wir nun zu einem statischeren Zustand“, sagte Margaret Yang, Marktanalystin beim Brokerhaus CMC Markets in Singapur.

Rede von Fed-Chef Powell

Auch eine Rede des Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, wird heute von den Investoren mit Spannung erwartet. Das Versprechen der Fed, unbegrenzte Anleihekäufe zu kaufen, hat in dieser Woche einen Teil des virengetriebenen Finanzstresses gemildert. Aber Powell wird wahrscheinlich auch nach der Realwirtschaft und der offensichtlichen Kluft zwischen Gesundheitsämtern und Präsident Donald Trump gefragt werden, wie schnell im Land die Arbeit aufgenommen werden kann. Zudem musste Singapurs Wirtschaft im ersten Quartal den größten Rückgang seit einem Jahrzehnt einstecken, wie Daten am Donnerstag zeigten.

Euro etwas höher

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat am Donnerstag an die Kursgewinne vom Vortag angeknüpft. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0924 Dollar gehandelt, nachdem sie am Vorabend noch knapp unter der Marke von 1,09 notiert hatte. Das bisherige Tageshoch lag bei 1,0940 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,0827 Dollar festgesetzt.

Der US-Dollar hat bereits den dritten Tag in Folge im Handel mit dem Euro an Wert verloren. Marktbeobachter verwiesen auf die gewaltigen staatlichen Maßnahmen in den USA im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, die für einen massiven Anstieg der Staatsverschuldung sorgen.

„Nachdem der Senat dem billionenschweren Hilfspaket zugestimmt hatte, wertete der Dollar gegenüber dem Euro auf Tagessicht in der Spitze um bis zu ein Prozent ab“, schrieb Volkswirt Stefan Kipar von der Bayerischen Landesbank in einem Kommentar und fügte hinzu: „Heute dürften weniger fiskalpolitische Maßnahmen als vielmehr harte Konjunkturdaten das Währungspaar treiben.“

mit Nachrichtenagenturen

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