Bet-at-home: Sportwetten: „Es wird genauso viel gewettet wie 2019“

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Bet-at-home Sportwetten: „Es wird genauso viel gewettet wie 2019“

Michael Quatember, Vorstand des börsennotierten Online-Glücksspielanbieters bet-at-home, spricht über das Geschäft mit Sportwetten in Corona-Zeiten und Werbung in der Fußballbundesliga.

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Herr Quatember, Mitte März wurden europäische Sportligen wegen der Corona-Pandemie unter- oder sogar abgebrochen. Wie sehr hat das Ihr Unternehmen getroffen?
Wirtschaftlich ist es natürlich schwierig, wenn fast das komplette Wettprogramm wegfällt. Glücklicherweise sind viele Kunden schnell auf alternative Wettangebote umgestiegen. Kunden haben zum Beispiel verstärkt auf Tischtennisspiele und eSports gewettet. Eine Stütze in diesen Zeiten war unser eGaming-Bereich rund um Online-Casino, Virtual Sports und Poker, bei dem es durch Corona keine negativen Auswirkungen gab. In Summe haben wir es gut hinbekommen, ich bin zufrieden. Wir haben die Jahresprognose bestätigt, das Eigenkapital erhöht und nach wie vor keine Bankverbindlichkeiten.

Lässt sich konkret ermitteln, wie viel Umsatz und Gewinn Sie durch Corona verloren haben?
Nein, weil die Auswirkungen in Wellen kamen, regional sehr unterschiedlich waren und durch die Nachholung beziehungsweise Wiederaufnahme von Sportereignissen Wettvolumen in die eher umsatzschwächeren Sommermonate verschoben wurde.

Viele europäische Fußball-Ligen wurden mit sogenannten Geisterspielen ohne Fans zu Ende gebracht. Für viele Fernseh-Zuschauer nimmt das den Reiz am Spiel. Spüren Sie das auch im Wettgeschäft?
Ich persönlich empfinde es auch so, dass die Spiele ohne Fans und Jubelstimmung nicht so attraktiv sind. Aber in unserem Geschäft hat dies bisher keine negativen Auswirkungen. An einem durchschnittlichen Bundesliga-Spieltag wird dieses Jahr genauso viel gewettet wie 2019.

Corona und Geisterspiele sind nicht Ihr einziges Problem: In Polen und der Schweiz darf bet-at-home keine Wetten mehr anbieten.
Ja, in Polen ist seit Juli 2017 ein Gesetz zum Schutz polnischer Anbieter in Kraft. Wir sind damit de facto vom polnischen Markt ausgeschlossen, können keine Werbung schalten und verlieren seither mehr und mehr den Zugang zu unseren Bestandskunden. Aus unserer Sicht verstößt der Ausschluss gegen EU-Recht. Wir haben den Prozess in Polen in der ersten Instanz verloren und sind nun vor dem obersten polnischen Verwaltungsgericht. Letztlich wird es das Ziel sein, die Konformität des Gesetzes mit EU-Recht dem Europäischen Gerichtshof zur Prüfung vorzulegen. Bis zu einer Entscheidung dort wird es aber sicher noch einige Jahre dauern.

Auch in der Schweiz, wo die Kunden vermögender sind und im Schnitt mehr einsetzen als in Deutschland oder Österreich, klagen Sie. Wieso?
Hier dürfen nur noch diejenigen Online-Glücksspiele anbieten, die auch ein physisches, lizenziertes Casino betreiben. Da wir ein reiner Online-Anbieter sind, können wir also keine Lizenz bekommen. Wir sind der Meinung, dass die Regelung gegen die Schweizer Bundesverfassung verstößt und ziehen vor das Schweizer Verfassungsgericht. Wir wollen dabei keinen Sonderstatus, sondern uns nur um eine schweizerische Lizenz bewerben dürfen.

bet-at-home war an der Börse lange eine Wachstumsgeschichte. Doch seit inzwischen drei Jahren stagniert der Umsatz, der Kurs der Aktie hat vom Hoch mehr als zwei Drittel verloren, 2018 flog bet-at-Home aus dem SDax. Wie sehr schmerzen die Probleme in Polen und der Schweiz?
Das Geschäft ist in den vergangenen anderthalb Jahren schwieriger geworden. Polen war ein sehr wichtiger Markt für uns. Wir sind da seit 20 Jahren aktiv und mit die bekannteste Marke. Auch im deutschsprachigen Teil der Schweiz sind wir sehr bekannt.

In Deutschland sieht es dafür regulatorisch besser aus: Der neue Glücksspielstaatsvertrag, der 2021 in Kraft treten soll, könnte Anbieter wie bet-at-home aus der rechtlichen Grauzone holen.
Deutschland ist unser wichtigster Markt und wir sehen die Entwicklung sehr, sehr positiv. Die Liberalisierung des Markts ist notwendig, wobei der Schutz der Spieler immer ganz oben steht.

Hierzulande war Ihr Unternehmen bis 2018 einige Jahre als Trikotsponsor in der Bundesliga zu sehen. Wieso haben Sie das Engagement bei Hertha BSC Berlin denn beendet, wenn Deutschland so ein wichtiger Markt ist?
Der Vertrag ist ausgelaufen. Wir hatten uns bemüht, ihn zu verlängern. Unser Konkurrent um das Sponsoring war aber in der Lage, deutlich mehr zu bezahlen. Das hatte also rein finanzielle Gründe. Wir sind weiter mit dem Management der Hertha im Gespräch und auch nach wie vor Werbepartner des FC Schalke 04.

Der im Moment sportlich und wirtschaftlich schwere Zeiten durchlebt…
Ja, aber Schalke ist nach wie vor eine der Top-5-Fußballmarken in Deutschland und auch überregional bekannt.

Die aktuelle Vereinbarung läuft im kommenden Jahr aus. Wie sieht es mit einer Verlängerung aus?
Seit 2011 ist bet-at-home erfolgreich und eng mit dem FC Schalke 04 als Premium-Partner verbunden. Mit Auslaufen der jeweiligen Vertragsperiode wird die Fortsetzung des Engagements in Bezug auf die erbrachten Werbeleistungen und dem wirtschaftlichen Erfolg der Kooperation evaluiert. Auch im Laufe der anstehenden Bundesliga-Saison werden wir über eine potenzielle Verlängerung des Engagements mit Schalke in Verhandlungen treten.

Aktuell steuern die europäischen Klubwettbewerbe noch auf den Abschluss der Saison zu, nachdem dort der Spielbetrieb lange ruhte. Der Modus allerdings wurde deutlich verschlankt, es gibt weniger Spiele in Champions und Europa League. Schmerzt das die Wettanbieter?
Je weniger Spiele es gibt, desto weniger Wetteinsätze gibt es. Insofern schmerzt das schon. Aber ich sage auch: Dass überhaupt wieder gespielt wird, ist sehr positiv. Und auch die Turnierform ohne Rückspiele hat ihren Reiz. Ich finde es sehr vernünftig, dass man diesen Modus in relativ kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat.

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