Balzli direkt: Deutschlands Erfolg ist nicht unkaputtbar

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Im Journalismus gibt es eine einfache Regel. Texte über das bedingungslose Grundeinkommen laufen immer. Was sich früher bei Lottobuden Sofortrente nannte, kommt nun als gesellschaftspolitisches Projekt daher. Es ist der staatlich finanzierte Traum vom Lohn ohne Leistung. Vom Menschsein, ohne angestellt zu sein. Von der Würde im Schatten der jobkillenden Roboter. Und prompt überschlägt sich das öffentliche Interesse auch bei der jüngsten Aktion der Szene. Die Initiative „Mein Grundeinkommen“ finanziert 120 Menschen drei Jahre lang ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1200 Euro pro Monat.

Das Experiment ist keine Sensation, das gab es bereits in Finnland. Die Sensation ist die Anzahl der Bewerber. Nach nur sechs Tagen haben sich schon über 1,5 Millionen Menschen registriert, weil sie unbedingt mitmachen wollen. Wenn das so weitergeht, dürften bald zwei Millionen oder mehr Namen auf der Liste stehen.

Was sagt das über ein Land aus? Dass hier alle hungrig im Elend leben? Ganz im Gegenteil. Für manche dürfte es bloß ein Spiel sein, bei dem es über 40.000 Euro zu gewinnen gibt. Für die große Mehrheit geht es aber um die Idee dahinter. Der heute schon üppig ausgebaute Sozialstaat soll erhalten bleiben und um ein Grundeinkommen für alle ergänzt werden. Die jährlichen Zusatzkosten in Billionenhöhe müssten durch massive Steuererhöhungen bei den Reichen finanziert werden.

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Ein neues Forschungsprojekt will die Wirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland untersuchen. Die Erfahrungen aus anderen Länder zeigen: Oft schafft dieses Instrument mehr Probleme als es löst.

von Philipp Frohn

Es ist ein erschreckend realitätsfernes und zugleich statisches Konzept, das die Erfolgsgeschichte Deutschlands als unkaputtbar einpreist – wie so oft in wirtschaftsfernen Kreisen. Die Abschaffer des Leistungsdenkens beschaffen sich die Mittel bei den Leistungsdenkern. Doch warum sollten das die Leistungsträger hinnehmen? Eben. Sie flüchten entweder ins Ausland oder geben ihr Leistungsdenken auch auf. Das geht so lange, bis niemand mehr etwas verdient, schon gar nicht im Schlaf. Denn Verzicht ist keine Lösung, auch wenn das romantische Kapitalismusgegner seit Corona noch lauter behaupten.

So simpel und so weit wird es nicht kommen. Aber es ist schockierend, wie viele Menschen denken, dass es so simpel und so weit kommen sollte. Denn Geld wächst nicht auf, sondern höchstens dank Bäumen – aber nur im Rahmen einer marktwirtschaftlich orientierten Leistungsgesellschaft, die Klimaschutz als nächsten Wachstumsmotor begreift. Texte über diese Technologien laufen zum Glück auch immer.

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