Autobauer: Anleihegläubiger klagen gegen VW – Winterkorn-Prozess beginnt im Februar

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Autobauer Anleihegläubiger klagen gegen VW – Winterkorn-Prozess beginnt im Februar

Auch Anleihebesitzer beklagen, dass VW zu spät über die Manipulationen berichtet habe. Der Prozess gegen Martin Winterkorn soll im Februar 2021 beginnen.

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Nach den Aktionären wollen nun auch Besitzer von Unternehmensanleihen Volkswagen wegen des Diesel-Skandals verklagen. Eine von einem britischen Prozessfinanzierer unterstützte Sammelklage haben die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Stichting Volkswagen Investors Claim am Donnerstag in Frankfurt vorgestellt.

Auch die Anleihebesitzer beklagen im Kern, dass Volkswagen die Märkte zu spät über die Abgas-Manipulationen und drohende Sanktionen unterrichtet habe. Die zwischen 2011 und dem 22. September 2015 ausgegebenen Anleihen von Volkswagen und weiteren Konzernunternehmen seien wegen dieser Täuschung zu niedrig verzinst worden. Das belege ein Gutachten.

Hätte VW die Öffentlichkeit zum gesetzlich vorgeschriebenen Zeitpunkt über die Manipulation informiert, hätten die Anleihen nicht zu einem so günstigen Zinssatz emittiert werden können. Dies ist der Schaden der Anleihegläubiger, der mit der jetzigen neuen Klage zusätzlich geltend gemacht wird“, sagte der Anwalt Eric Breiteneder. Geschädigte können sich laut DSW der Klage ohne Risiko anschließen, müssen aber im Erfolgsfall dem Prozessfinanzierer eine Erfolgsbeteiligung zahlen.

Das Unternehmen betonte am Donnerstag erneut, dass es die Märkte stets rechtzeitig informiert habe. VW habe von der neuen Klage keine Kenntnis und halte vermeintliche Ansprüche für unbegründet.

Man werde sich mit allen rechtlichen Mitteln dagegen verteidigen. In den Vereinigten Staaten hat die Börsenaufsicht SEC im vergangenen Jahr einen ähnlich gelagerten Rechtsstreit um Unternehmensanleihen angestrengt.

Winterkorn-Prozess im Februar

Der Betrugsprozess gegen den früheren Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn soll am 25. Februar 2021 beginnen. Das Landgericht Braunschweig veröffentlichte am Donnerstag den Terminplan für das Strafverfahren. Es dürfte sich demnach bis mindestens ins Frühjahr 2023 ziehen. Winterkorn steht dann zusammen mit vier weiteren Angeklagten wegen des Vorwurfs des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs vor Gericht.

Die zuständige Kammer hatte im September die Eröffnung des Hauptverfahrens zugelassen, weil sie bei Winterkorn einen hinreichenden Tatverdacht sieht. Der frühere Top-Manager war im April 2019 von der Braunschweiger Staatsanwaltschaft aufgrund seiner Rolle im Dieselskandal angeklagt worden.

Im September 2015 hatte Volkswagen nach Prüfungen von Behörden und Recherchen von Forschern in den USA Manipulationen an den Abgaswerten von Dieselautos zugegeben. Die Software bestimmter Motoren war so eingestellt, dass im tatsächlichen Betrieb auf der Straße deutlich mehr giftige Stickoxide (NOx) ausgestoßen wurden als in Tests.

Er sei sich „keines Fehlverhaltens bewusst“, sagte Winterkorn wenig später in seiner Abschiedserklärung. Der heute 73-Jährige muss sich zusätzlich auf ein öffentliches Gerichtsverfahren wegen mutmaßlicher Marktmanipulation im Abgasskandal einstellen. Termine für diesen zweiten Prozess in Braunschweig sind noch nicht bekannt.

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