Aus für Gorleben: Endlager-Suche ohne Ende

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Aus für Gorleben Endlager-Suche ohne Ende

Die Endlagersuche für Atommüll geht in eine neue Runde. Die Kraftwerksbetreiber haben schon 1,6 Milliarden Euro bezahlt, ohne Ergebnisse zu sehen.

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Es gibt Menschen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, gegen das atomare Endlager in Gorleben zu kämpfen. Mehr als 30 Jahre sind vergangen und heute sieht alles danach aus, als ob sie Recht bekommen. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) verkündete heute, dass sich der Standort Gorleben nicht eignet. Die Suche geht damit weiter – ergebnisoffen, wie versichert wird. Schließlich sind laut dem offiziellen Zwischenbericht zur Endlagersuche etwa 54 Prozent der Fläche Deutschlands „geologisch geeignet“, übrigens auch Teile der Hauptstadt. Dass kein Standort so gut erforscht ist wie Gorleben spielt kaum eine Rolle.

Schon 1986 wurde im niedersächsischen Gorleben ein Bergwerk errichtet, um die Eignung des Salzstocks für die Endlagerung von Atommüll zu prüfen. 1,6 Milliarden Euro kosteten die bisherigen Untersuchungen, sie wurden erst 2013 abgeschlossen. Ergebnis: „Trotz der noch nicht abgeschlossenen Erkundung kann nach den bisherigen Untersuchungen festgestellt werden, dass aus geowissenschaftlicher Sicht keine Erkenntnisse gegen die Eignungshöffigkeit des Salzstocks vorliegen“.

Die Kosten für die Erkundung wurden zu über 90 Prozent von den Energieversorgungsunternehmen getragen. Bis zur Entscheidung über die Standorte hält man das Bergwerk zudem offen, auch das verschlingt viel Geld: Jährlich einen niedrigen Millionenbetrag. So schätzte das Bundesministerium für Umwelt die Kosten dafür für 2015 auf 40 Millionen und für 2016 auf 30 Millionen Euro. Ein Schnäppchen ist das nicht, um so verwunderlicher ist es, dass erst jetzt verkündet wird, dass sich das Gestein nicht eignet. „Gorleben hat zwar alle Mindestanforderungen erfüllt, war aber in der geowissenschaftlichen Gesamtschau nicht ausreichend“, heißt es vom BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz dazu am Montagmorgen in Berlin. Der Untergrund habe mangelhaftes Rückhaltevermögen und ein nicht komplett intaktes Deckgebirge.

Die Suche geht also weiter, seit 2017 gibt es dafür nun zu mindestens ein klares Finanzierungskonzept: Den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo), in den die Energiewirtschaft 24,1 Milliarden Euro eingezahlt hat. Laut Atomgesetz müssen alle Kosten, die für die Endlagerung von Atommüll entstehen, anteilig von den jeweiligen Produzenten dieses Mülls getragen werden. Mit der Überweisung in den Fonds übernimmt der Staat die möglichen weiteren Risiken für die End- und Zwischenlagerung des Atommülls. Allerdings bleiben die Konzerne für Stilllegung und Abriss der Kernkraftwerke, sowie die Verpackung des Mülls verantwortlich.

Die Fonds sollen langfristig die Entsorgung des Atommülls sicherstellen, daher wird gewinnbringend angelegt. Bisher ist das Geld aber weniger geworden: Von den ursprünglich eingezahlten 24 Milliarden Euro waren Ende des vergangenen Jahres nur noch 23,2 Milliarden übrig. Das liegt auch an den Kosten für die Zwischenlagerung des radioaktiven Abfalls und eben der Endlagersuche. Je länger die Suche dauert, desto weniger Geld wird am Ende im Fonds sein, um später den Betrieb der Endlager zu finanzieren. Die Restkosten würden dann am Staat hängen bleiben. Atomgegner hatten schon zur Gründung der Kenfo bemängelt, dass die Kraftwerkbetreiber zu wenig einzahlen würden.

Dass die Suche pünktlich beendet wird, ist Aufgabe der Bundesgesellschaft für Endlagerung. Dafür hat die Gesellschaft momentan 900 Mitarbeiter, Kostenpunkt für den Personalaufwand: 86,5 Millionen Euro. Bis 2031 müssen sie den Schwarzen Peter loswerden: Dann sollen alle möglichen Standorte erkundet sein und dem Bundestag vorgeschlagen werden.

Mehr zum Thema: Forscher und Investoren setzen Milliarden auf Kernfusion und Atomspaltung. Doch hierzulande will man vom Aufleben der umstrittenen Technologie nichts wissen.

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